Traditionell wird in den USA am Morgen des 25. Dezember beschert. Wenn aber am Weihnachtstag die kleinen Söhne von Emily Russell aufwachen, werden sie keine Computerspiele unterm Baum finden, sondern einen Brief vom Weihnachtsmann. "Ich habe es gestern Nacht nicht zu euch geschafft", wird Russell im Namen von Santa Claus schreiben. "Aber eure Mama wird mit euch einkaufen gehen, wenn sie kann."
Umsatz steigt von Jahr zu Jahr
Der Plan geht auf: Nach dem Fest bietet der Einzelhandel Rabatte bis zu 75 Prozent auf eine breite Palette von Waren gegenüber den Vorweihnachtspreisen. Die Kunden haben das registriert und handeln entsprechend. Nach Beobachtung des Marktforschungsinstituts ShopperTrak sind in den vergangenen fünf Jahren die Verkaufszahlen im Einzelhandel nach Weihnachten kontinuierlich angestiegen.
Auch Online steigt der Umsatz
Im Onlinehandel stieg der Umsatz laut IBM im Vorjahresvergleich am 26. Dezember 2010 um 22 Prozent, am Tag darauf sogar um 56 Prozent. Einer Umfrage der Unternehmensberatung Deloitte zufolge verschieben sechs Prozent der 5.000 Befragten Amerikaner das Fest.
Nach Weihnachten wird eingekauft
Elaine Wu und ihr Ehemann haben vor, ihre Geschenke erst am 26. Dezember einzukaufen. Sie wollen dieses Jahr nicht mehr als umgerechnet 110 Euro für gegenseitige Geschenke ausgeben - nicht einfach, wenn man Marc-Jacobs-Handtaschen und Armani-Schuhe mag. Auch für ihre Freunde wollen die Wus erst nach Weihnachten einkaufen. Echte Freunde würden von ihr nicht erwarten, am jährlichen Einkaufswahnsinn teilzunehmen, sagt sie. "Nur weil sie einen Tag später kommen, heißt das nicht, dass die Geschenke weniger besonders sind oder nicht von Herzen kommen", sagt Wu. "Es heißt schlicht, dass wir 60 Prozent gespart haben."
Geburtstag Christi willkürlich festgelegt
Weihnachtsexperte Bruce David Forbes sagt, dass diejenigen, die das Fest verschieben, gar nicht so falsch liegen. Der Autor eines Buchs über die Geschichte des Weihnachtsfests weist darauf hin, dass das Datum im vierten Jahrhundert willkürlich festgelegt wurde und dass die orthodoxen Christen wegen einer Kalenderreform im Mittelalter die Geburt Christi erst am 6. Januar feiern. Wer also zwischen dem 25. Dezember und dem Dreikönigstag feiere, "ist auf keinen Fall zu spät dran", wie Forbes sagt.
Auch bei Mujtaba Al-Qudaihi zuhause wird das Fest verschoben. Den 25. Dezember wird er mit Lesen und Internetsurfen totschlagen. Ein paar Tage später wird dann sein Vater mit rotem Mantel und weißem Bart die versammelte Familie bescheren, die viel Geld bei der Anreise nach Indianapolis gespart haben wird. "Nichts ändert sich", sagt Al-Qudaihi, "nur das Datum." dapd/AZ