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Katastrophe in Japan: Angstforscher: Menschen schalten auf Überlebens-Modus

Katastrophe in Japan

Angstforscher: Menschen schalten auf Überlebens-Modus

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    Untersuchung auf radioaktive Strahlung in Japan.
    Untersuchung auf radioaktive Strahlung in Japan. Foto: dpa

    Was in Japan passiert, sei eine Katastrophe eines apokalyptischen Ausmaßes, wie es sich selbst der Regisseur eines Katastrophenfilmes nicht ausdenken könnte. Der Angstforscher Borwin Bandelow spricht in einem Interview mit spiegel-online über die Ängste, mit denen Japaner nun zu kämpfen haben.

    Angstforscher: Überlebens-Modus schützt vor psychischen Schäden

    In solch einem Notfall würde der Mensch auf einen Überlebens-Modus schalten. Diese Funktion schütze nämlich vor psychischen Schäden. Der Angstforscher bezeichnet den Mensch als einen Überlebenskünstler. Wie Borwin Bandelow in dem Interview erklärt, gebe es im menschlichen Gehirn vereinfacht gesagt zwei verschiedene Angstsysteme. Das eine sei primitiv und würde unmittelbar auf Bedrohung reagieren. So geschehe das momentan bei den von der Katastrophe betroffenen Japanern. Das primitive Angstsystem ließe sich von der Atomkatastrophe nicht beeindrucken. Hingegen habe das zweite intellektuelle System alles gespeichert, was der Mensch über Radioaktivität und Strahlenschäden gelernt habe, so der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie gegenüber spiegel-online. Das eine rufe Panik und Angst hervor, das analytische Angstsystem produziere eher Sorgen.

    Auf die Frage, welche Überlebensstrategien es im Survival-Modus gebe, sagte Bandelow, dass im schlimmsten Fall die Moral aussetze und etwa Kampf um Nahrung ausbrechen könne. Er weist auf die Plünderungen hin, die nach dem Beben in Haiti passierten. In Japan hingegen würden die Menschen bislang sehr rücksichtsvoll miteinander umgehen. In solch einer Situation helfe der Zusammenhalt ungemein, das sei wie im Krieg. Er habe das Gefühl, die Menschen im Westen würden glauben, dass die Japaner anders denken und fühlen. Das liege wohl daran, dass die Menschen in Japan ihr Gesicht nicht bewegen. "In Wahrheit haben sie hinter ihrer Fassade mit genau denselben Emotionen zu kämpfen wie jeder andere Mensch auf diesem Planeten in einer vergleichbaren Situation", sagt Borwin Bandelow gegenüber der Onlineausgabe des Nachrichtenmagazins.

    Laut Bandelow sei es ein großer Irrtum zu glauben, dass die von der Katastrophe betroffenen Japanern schnell therapiert werden müssen. Er erklärt, dass der Mensch einen Abwehrmechanismus eingebaut habe. Traumata würden in der Regel erstmal verdrängt." Bei entsprechenden Gesprächen werde dieser natürliche Prozess jedoch unterbrochen. "Man sollte der Natur freien Lauf lassen und nur dann Gespräche führen, wenn es gewollt ist", so der Angstforscher im Interview mit spiegel-online.

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