Wieder einmal hat die Natur gezeigt, welchen Einfluss sie auf unser Leben hat. Denn einen Vulkanausbruch kann der Mensch mit keiner Technik der Welt beeinflussen.
Und so blieb vielen Flugreisenden nichts anderes übrig, als sich in Geduld zu üben und abzuwarten. Denn seit der isländische Vulkan Grímsvötn am Samstag ausgebrochen ist, mussten mehrere Airlines Flüge streichen. Seine riesige Aschewolke hat so die Flugpläne vieler Fluggesellschaften durcheinander gebracht.
Doch wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) berichtet, ist die Konzentration der Aschewolke nach ersten Messungen weniger hoch als nach dem Ausbruch von Eyjafjallajökull im vergangenen Jahr. Die Aschewolke erstreckt sich bis in eine Höhe von sechs Kilometern.
In Brüssel wurde extra ein Krisenzentrum eingerichtet. Die sogenannte "European Aviation Crisis Coordination Cell" (EACCC) tritt allerdings nur bei Bedarf in Aktion. Die Organisation vereint die europäische Flugsicherung Eurocontrol, die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA, die EU-Kommission, die nationalen Regierungen, Fluglotsen-Dienste, Fluggesellschaften und Flughäfen. Sie dient dem Austausch von Informationen und der Abstimmung untereinander. Die Entscheidung eines Flugverbots bleibt jedoch bei den einzelnen Ländern.
Drei-Zonen-Warnsystem
Das europäische Krisenzentrum legt seiner Arbeit ein Drei-Zonen-Warnsystem zugrunde, das sich an der Konzentration der Vulkanasche-Teilchen in der Luft orientiert. Es gibt eine blaugrüne Zone mit einer Aschekonzentration von 0,2 bis zwei Milligramm pro Kubikmeter Luft, eine graue Zone mit einem Aschegehalt von zwei bis vier Milligramm und die rote Zone für mehr als vier Milligramm. Je höher die Konzentration, desto höher ist auch das Risiko.
Handlungsvorgaben für die Zonen gibt das Zentrum nicht vor, es spricht lediglich allgemeine Empfehlungen aus. Berechnet werden die Zonen vom Londoner Volcanic Ash Advisory Center (VAAC). Auf europäischer Ebene werden aber auch Daten nationaler Wetterbehörden und anderer Organisationen ausgetauscht. So betreibt der Deutsche Wetterdienst (DWD) ein Netzwerk aus 52 Messstationen am Boden. Zudem waren im Auftrag des DWD am Mittwoch zwei Flugzeuge unterwegs, um die Aschekonzentration zu messen.
Der Flugbetrieb in Deutschland soll unter bestimmten Sicherheitsaspekten geregelt werden. Dafür hat das zuständige Bundesverkehrsministerium nach dem Ausbruch des Eyjafjöll vor einem Jahr Maßstäbe entwickelt, die festlegen, ab welchen Aschekonzentrationen wie zu verfahren ist. Demnach ist eine Konzentration von mehr als zwei Milligramm Asche pro Kubikmeter Luft der kritische Grenzwert, ab dem alle Turbinenflugzeuge am Boden bleiben müssen. In der blaugrünen Zone darunter, also bei einer Konzentration von 0,2 bis zwei Milligramm, darf unter bestimmten Auflagen noch geflogen werden. Bis zu dieser Aschekonzentration je Kubikmeter schließen die Hersteller Probleme mit Flugzeugen und Triebwerken derzeit definitiv aus. Allerdings müssen bei der Wartung der Maschinen besondere Vorgaben beachtet werden.
Bis zum frühen Dienstagnachmittag strich British Airways alle Flüge zwischen London und Schottland. Daraufhin saßen Tausende Reisende in Schottland fest. Und auch die niederländische Fluggesellschaft KLM, die irische Aer Lingus und der Billigflieger Easyjet flogen Airports in Schottland und dem Norden Großbritanniens nicht mehr an. Zuvor hatte bereits die schottische Regionalfluglinie Loganair den überwiegenden Teil ihrer für Dienstagvormittag geplanten Flüge abgesagt. Am Dienstag wurden nach Angaben der europäischen Flugsicherung Eurocontrol rund 500 Flüge abgesagt.
Die Fluggesellschaft British Airways hatte am Montag angekündigt, wegen der Aschewolke des Vulkans Grimsvötn bis zum frühen Dienstagnachmittag keine Flüge zwischen London und Schottland abzufertigen. Die niederländische Fluggesellschaft KLM, die irische Aer Lingus und der Billigflieger Easyjet strichen vorerst ihre Flüge nach Schottland und in den Norden Großbritanniens. Zuvor hatte bereits die schottische Regionalfluglinie Loganair den überwiegenden Teil ihrer für Dienstagvormittag geplanten Flüge abgesagt.
Dieses Szenario weckte schnell die Erinnerung an den Ausbruch des Gletschervulkans Eyjafjöll vor gut einem Jahr. Damals mussten wegen seiner Aschewolke fast einen Monat lang große Teile des europäischen Luftraums geschlossen werden und Millionen Reisende in aller Welt saßen fest. Auch der Münchner Franz-Josef-Strauß-Flughafen und die Airports in Hamburg und Bremen sind oder waren von den Auswirkungen der Aschewolke betroffen.
Betroffene Flughäfen wieder erreichbar
Inzwischen normalisiert sich die Lage auf den europäischen Flughäfen allerdings wieder. So wird die Luftraumsperrung über Norddeutschland bis zum Nachmittag aufgehoben. Der Flughafen Bremen ist bereits wieder erreichbar, genauso wie der Flughafen in Hamburg. Das teilte der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) unter Berufung auf die Deutsche Flugsicherung (DFS) und den Deutschen Wetterdienst (DWD) mit. Die beiden Berliner Flughafen konnten ab dem frühen Nachmittag wieder angeflogen werden.
Laut einem Sprecher der DFS zog die Aschewolke aus dem Grimsvötn am Morgen in Richtung Osten. Den Wetterprognosen zufolge sei damit zu rechnen, dass sich die Wolke im Laufe des Tages von Deutschland weg in Richtung Nordosten bewege. afp/dapd/emd-