Der Oberste Gerichtshof des Landes habe am Freitag eine entsprechende Entscheidung getroffen, sagte Gerichtssprecher Svein Tore Andersen der Nachrichtenagentur AFP. Dreieinhalb Monate nach den Anschlägen kündigte zudem Justiz- und Polizeiminister Knut Storberget seinen Rücktritt an.
Zunächst war nur eine Videoübertragung der Aussage geplant
Behring Breivik sollte zunächst per Videolink bei der Anhörung am kommenden Montag zugeschaltet werden, bei der über die Verlängerung seiner Untersuchungshaft um zwölf Wochen entschieden werden soll. Seine Berufung gegen die Anordnung wurde zunächst von einem Gericht zurückgewiesen, am Freitag hob der Oberste Gerichtshof die Entscheidung auf. Eine Begründung nannte Andersen nicht.
Die norwegische Nachrichtenagentur NTB meldete jedoch, dass Videolinks in Anhörungen über eine verlängerte Isolationshaft nicht zulässig seien. Zwar sei Behring Breivik offiziell bereits vor einem Monat aus der Isolationshaft freigekommen, dem Obersten Gerichtshof zufolge sei er jedoch praktisch noch immer isoliert inhaftiert, weshalb es ihm erlaubt werden müsse, persönlich vor Gericht zu erscheinen.
Die Anhörung soll für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Unklar war zunächst, welche Sicherheitsmaßnahmen für die Anwesenden getroffen werden sollen. Sollte Behring Breivik für schuldfähig befunden werden, könnte der Prozess im April beginnen.
Attentat forderte insgesamt 77 Menschenleben
Breiviks Fahrplan beim Massenmord
11.45 Uhr: Breivik fährt einen Mietwagen des Typs Fiat Doblò durch eine Station für Automaut Richtung Osloer Innenstadt. Er parkt das Auto am Hammersberg Torg und kehrt in den Stadtteil Skøyen im Westen Oslos zurück. Dort wohnt er bei seiner Mutter.
12.51 Uhr: Breivik schreibt den letzten Eintrag in sein 1500 Seiten umfassendes «Manifest».
14.08 Uhr: Das «Manifest» wird per Email an 1003 Adressaten verschickt. Breivik verkleidet sich als Polizist.
15.00 Uhr: Er fährt einen mit mehreren hundert Kilo Sprengstoff gefüllten VW-Transporter durch eine der automatischen Mautstationen Richtung Zentrum. Den ebenfalls gemieteten Wagen stellt er direkt vor dem Regierungs-Hochhaus ab und läuft zum Fiat am Hammersberg Torg. Im Polizeiverhör gibt Breivik später an, er habe die Transportzeiten zu niedrig berechnet.
15.26 Uhr: Die Bombe explodiert im Osloer Regierungsviertel. Doch wegen der Sommerferien sind viele Angestellte schon im Feierabend. Breivik steckt danach bei seiner Fahrt zur 40 km entfernten Insel Utøya im Stau nach einem Unfall.
16.40 Uhr: Breivik kommt in seiner Polizeiuniform an der kleinen Fährstation zur Insel an. Er stellt den Mietwagen ab und setzt auf der Fähre über. Als Gepäck führt er ein Schnellfeuergewehr, eine Pistole und große Mengen Munition mit sich.
17.08 Uhr: Ankunft des Attentäters auf Utøya.
17.27 Uhr: Die Polizei wird alarmiert. Unklar bleibt auch bei anderen Medienangaben, was in den ersten knapp 20 Minuten seit Breiviks Ankunft genau geschieht. Nach den ersten offiziellen Mitteilungen der Polizei hat der Massenmörder für die Tötung seiner 69 Opfer auf Utøya anderthalb Stunden Zeit.
18.09 Uhr: Angehörige der Polizei-Eliteeinheit «Delta» kommen zusammen mit örtlichen Polizisten an der Fährstation nach Utøya auf der Festlandseite an.
18.25 Uhr: Die Einsatzgruppe erreicht die Insel und sucht nach dem Täter.
18.27 Uhr: Breivik lässt sich mit erhobenen Händen festnehmen. Er hat beide Waffen weggelegt. Die Polizei setzt ihn mehrere Stunden in einem Holzhaus auf der Insel fest, ehe er nachts in die Osloer Polizeizentrale gebracht wird.
Behring Breivik hatte am 22. Juli zunächst im Regierungsviertel von Oslo eine Autobombe gezündet und damit acht Menschen getötet. Anschließend eröffnete er in einem Sommerlager der regierenden Arbeiterpartei auf der Insel Utöya das Feuer und erschoss 69 überwiegend jugendliche Teilnehmer. Der Polizei wurde daraufhin vorgeworfen, erst verspätet und unzureichend reagiert zu haben.
Am Freitag reichte Justiz- und Polizeiminister Storberget, der wegen der Reaktion der Polizei auf die Anschläge zuletzt unter Druck stand, seinen Rücktritt ein. Storberget, der den Posten 2005 übernommen hatte, stand zudem in der Kritik, weil es der Polizei nicht gelang, eine Serie von Vergewaltigungen zu stoppen.
Ministerpräsident Jens Stoltenberg erklärte, er hätte es gerne gesehen, wenn Storberget sein Amt noch länger ausgeübt hätte. Der Minister selbst, dessen Amt dem eines Innenministers entspricht, sagte, er habe seine Entscheidung bereits im Februar getroffen und trat damit Spekulationen entgegen, dass sein Rücktritt im Zusammenhang mit der Kritik an seinem Umgang mit den Anschlägen steht.
Nachfolgerin soll die bisherige Verteidigungsministerin werden
Die bisherige Verteidigungsministerin Grete Faremo soll Nachfolgerin Storbergets werden, wie Stoltenberg erklärte. Im Zuge der Kabinettsumbildung soll zudem der bisherige Vize-Außenminister Espen Barth Eide neuer Verteidigungsminister werden. afp/AZ