Wochenlang hat er die Hauptstadt in Angst und Schrecken versetzt. Bis zum 21. Oktober 2011 - an diesem Tag hat die Polizei den mutmaßlichen Autobrandstifter von Berlin gefasst. Der 28-jährige Maler und Lackierer hat nun zum Prozessauftakt in Berlin gestanden, aus Sozialneid und Geltungssucht serienweise Autos angezündet zu haben. "Reiche Leute, die mehr Geld haben, sollten sich auch mal ärgern", betonte er zu seinem Motiv. Im vergangenen Jahr hatte er immer wieder teure Autos der Marken BMW oder Audi angezündet.
Der 28-Jährige hielt es nach seinen Worten für ungerecht, dass sich andere so teure Autos leisten können, während er selbst Schulden gehabt habe. Er habe auch so viele Brände gelegt, um Rekorde zu brechen. Es sollte in jedem Fall im Fernsehen darüber berichtet werden. Die Serie hörte abrupt auf, als dem 28-Jährigen ein Job in einer Cateringfirma angeboten wurde. Laut Anklage soll der Mann von Juni bis August 2011 mehr als 100 Autos in Brand gesteckt haben - fast ausschließlich teure Modelle. Es entstand ein Millionenschaden. Die Brandanschläge wurden fast immer im direkten Umfeld des Angeklagten verübt - in seiner Wohngegend aber auch nahe der Wohnung seines Vaters. Der Berliner war im Oktober festgenommen worden und sitzt seither in Untersuchungshaft.
Autobrandstifter zeigt Reue
Zum Prozessauftakt versuchte sich der Angeklagte nicht nur zu rechtfertigen, er zeigte auch Reue: "Ich habe neben den unmittelbar Geschädigten die ganze Stadt Berlin, die ich liebe, über Monate in Angst und Schrecken versetzt", hieß es in einer Erklärung, die Anwalt Mirko Röder im Namen des 28-Jährigen verlas. Seinem Mandanten sei inzwischen klar, dass die Besitzer der Autos hart für ihr Vermögen arbeiten müssten und nichts für seine Situation könnten. "Ich bitte ernsthaft um Vergebung", hieß es in der Erklärung weiter.
Den ersten Brand soll der Angeklagte in der Nähe seiner Wohnung gelegt haben, um schnell fliehen zu können. "Es war ein innerer Kampf, danach ging es leichter", erklärte der Mann. Zeitweise brannten im vergangenen Sommer jede Nacht Autos in der Hauptstadt. Insgesamt gingen 2011 in Berlin mehr als 700 Autos in Flammen auf. Etwa die Hälfte wird linksextremen Kreisen zugerechnet. Die übrigen Bandstiftungen sollen auf das Konto von Trittbrettfahrern und Versicherungsbetrügern gehen. Die Brände hatten für erhebliche Unruhe in der Bevölkerung gesorgt. Auf dem Höhepunkt der Serie erhielt die Berliner Polizei Unterstützung von der Bundespolizei. Bis zu 500 Ermittler suchten dann Nacht für Nacht nach den Brandstiftern. dpa, AZ