Die CeBit in Hannover, die weltweit größte Messe für Informationstechnik, hat eröffnet. Bei den Ausstellungsstücken wird klar, dass die digitale Welt keine Grenzen mehr kennt. Von Klaus Köhler

Wenn die Dinge technisch werden, sind englische Begriffe inzwischen wohl unvermeidlich. So müssen sich seit Jahresanfang Häuslebauer und Mieter von Neubauwohnungen daran gewöhnen, dass ihr Stromzähler jetzt "smart meter" heißt.
Der kann natürlich weit mehr als der herkömmliche Kasten mit seinem altertümlichen Drehrad. Für das Wort "smart" gibt es viele Übersetzungsmöglichkeiten, beispielsweise gerissen, klug oder schick. Die Anbieter, die diesen Begriff auf der Computermesse CeBIT in Hannover geradezu inflationär verwenden, wollen damit vor allem suggerieren, dass sie intelligente Geräte und Lösungen zu bieten haben.
Intelligent sind die neuen Stromzähler allein aber noch lange nicht. Sie zeigen jedoch im Gegensatz zu den alten Kästen an, was aktuell an Energie verbraucht wird. Zudem helfen sie den Kunden, Stromfresser zu erkennen und die Waschmaschine laufen zu lassen, wenn der Strom billiger ist. Die Versorger können andererseits erfahren, wann die Haushalte bestimmte Geräte nutzen und durch angepasste Tarife ihre Netze besser auslasten.
Zu wirklich cleveren Helfern werden derartige Zähler aber erst, wenn sie mit Systemen verknüpft werden, die auf der CeBIT unter dem Stichwort "connected living" zu sehen sind. Für das "vernetzte Leben" wird praktisch alles miteinander verbunden, was an Technik und Geräten im modernen Haushalt vorhanden ist. Die Idee ist nicht wirklich neu. Schon vor mehr als zehn Jahren bastelten Hersteller daran, Wohnungen mit technischen Schaltzentralen zu beglücken, doch das war nur mit großem Aufwand möglich und für Normalverbraucher viel zu umständlich zu nutzen.
Doch jetzt, so sind Energiekonzerne sowie Soft- und Hardwarehersteller überzeugt, ist die Zeit reif für Lösungen, die den Menschen dabei helfen, das Leben zu Hause bequemer zu gestalten und dabei auch noch Energie zu sparen. Die Computer haben unseren Alltag erobert; viele Geräte können programmiert werden und sogar das Internet nutzen. Handys besitzen mehr Rechenleistung als ein fünf Jahre alter PC. Für solche Smartphones gibt es Zusatzprogramme, mit denen sich Geräte fernsteuern lassen - wenn die Technik zu Hause schon so weit wäre.
Das allerdings soll sich schnell ändern, verspricht zum Beispiel der Energieversorger RWE, zu dem auch die Augsburger Lechwerke gehören. Der Konzern hat sich mit dem Software-Riesen Microsoft zusammengetan. Sie wollen mit dem Projekt SmartHome "Energiekosten senken, den Wohnkomfort steigern und die persönliche Energiebilanz des Nutzers verbessern".
Herzstück ist ein Steuerelement, das Heizung, Licht und Hausgeräte nach Bedarf an- und abschaltet. "Das System ist für jeden erschwinglich und lässt sich auch von Mietern einsetzen", sagt Norbert Verweyhen von RWE. Neue Leitungen müssten nicht verlegt werden. Über Funksteckdosen sollen sich neue Geräte einbinden lassen.
Noch besser ist es natürlich, wenn solche Technik gleich beim Hausbau berücksichtigt werden kann, wie das der Fertighaushersteller Schwörer verspricht. Er hat zusammen mit einem Hightech-Unternehmen das System "HomeOne" entwickelt, das auf Internet-Technik basiert. Bedient wird das Ganze über einen Berührungs-Bildschirm (Touchpanel), ist aber auch übers Handy fernsteuerbar.
Einen weit umfassenderen Ansatz bietet das vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützte Innovationszentrum Connected Living, das im "Future Parc" der CeBIT zeigt, wie es sich schon bald im Haus der Zukunft leben lässt. Die Organisation entwickelt branchenübergreifend innovative Lösungen für die intelligente Vernetzung von Unterhaltungselektronik, Telekommunikation, Informations- und Gebäudetechnik sowie Hausgeräte. Zu den Mitgliedern gehören neben einem Forschungslabor der TU Berlin Energieversorger wie EnBw und Vattenfall, aber auch Gerätehersteller wie Loewe und Miele.
Auch die AOK hat Interesse an der Vernetzung im Privatbereich. Die Krankenkasse will damit die Gesundheit fördern. Wie das geschehen soll, wird an einem Heimtrainer demonstriert. Um seine Motivation zum regelmäßigen Training zu steigern, kann der Benutzer auf dem Fernseher per Google Earth durch die Häuserschluchten New Yorks oder das Regierungsviertel in Berlin radeln.
Ein virtueller Vitalcoach kontrolliert über Sensoren Herzschlag, Blutdruck und den Blut-Sauerstoff. Er kann individuelle Trainings- und Ernährungspläne zusammenstellen, für die auch gleich passende Rezepte gesucht werden. Der Einkaufszettel lässt sich aufs Handy schicken. Aber nicht nur gesunde Ernährung hat die AOK im Sinn. So werden auch elektronische Systeme gezeigt, die den Gesundheitszustand älterer und chronisch kranker Menschen überwachen und bei Bedarf Angehörige oder Ärzte verständigen.
Die Schaltzentrale des vernetzten Heims befindet sich auf der CeBIT in einem netzwerkfähigen Fernseher. Dafür reicht die gewohnte Fernbedienung. Hier lässt sich der aktuelle Energieverbrauch für jeden Raum ablesen, hier werden die Einstellungen der angeschlossenen Geräte verändert und von hier aus lässt sich das Licht im Keller ausschalten, wenn es vergessen wurde. Steuern lässt sich alles aber auch über einen PC oder ein Smartphone.
"Wir nutzen alle vorhandenen Verbindungswege, um die Geräte anzusprechen. Sie müssen nur über eine Internetadresse verfügen", sagt Entwickler Michael Quade vom DAI-Labor der TU Berlin. Fehlt es daran, wird auch hier ein "intelligenter" Zwischenstecker genutzt. Ziel von "connected living" ist, dass in zwei Jahren die ersten Geräte mit dieser Technologie zu kaufen sind.
Für jeden Benutzer gibt es in dem System eigene Einstellungen, damit Kinder zum Beispiel nicht stundenlang fernsehen oder im Internet surfen. Kontrolliert wird nicht nur über Passwörter. Die Entwickler sehen viele Möglichkeiten wie den neuen Personalausweis, den es noch in diesem Jahr gibt.
Die Kehrseite der schönen neuen Welt: Die Fülle privater Daten, auf die andere zugreifen können, wächst rasant. Schon beim "smart meter" sehen Datenschützer die Gefahr, dass Stromversorger zu viel über ihre Kunden in Erfahrung bringen können. Beim neuen Personalausweis beteuern die Entwickler zwar, dass die Daten sicher sind und nur ausgelesen wird, was der Besitzer PIN-geschützt freigibt.
Viele Menschen sind dazu aber allzu leicht bereit. Deshalb mahnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik auf der CeBIT wieder einmal, dass die Bürger nicht "bedenkenlos oder sogar bewusst Sicherheitsmechanismen umgehen". Klaus Köhler
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