Ein Jahr ist es her, dass der Wettermoderator Jörg Kachelmann mit einer Maschine aus Vancouver am Frankfurter Flughafen gelandet ist und verhaftet wurde. Weil er seine 38-jährige Ex-geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben soll. Der 52-jährige bestreitet die Tat. Seit der Prozess Anfang September angefangen hat, schweigt Kachelmann sich aus. Und seine Aussichten sind völlig unklar.
Stattdessen streiten sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung über diverse Gutachten und Zeugenaussagen. Kachelmanns Anwalt Johann Schwenn kündigte am Montag an, sein Mandant werde weiter schweigen. Dafür teilt Schwenn selbst umso kräftiger aus.
Am 32. Verhandlungstag stellte er gegen eine Zeugin Strafantrag wegen Falschaussage. "Focus" und "Bild am Sonntag" verdächtigte er, eine Schweizer Zeugin als Informationsquelle bezahlt zu haben. Den Berichten zufolge soll die Schweizerin bei ihrer Vernehmung in Zürich von Übergriffen Kachelmanns berichtet haben. Schwenn beantragte, die Chefredaktionen sollten die Vergütungsvereinbarung mit der Frau offenlegen,"um eine drohende Durchsuchung abzuwenden".
Der Anwalt glaubt, dass die Frau die Quelle für Berichte in beiden Blätter Anfang März war. Darin waren Details eines Treffens der Schweizerin mit Kachelmann geschildert worden, das Mitte Januar 2010 in der Wohnung der Frau stattgefunden haben soll - also drei Wochen vor der behaupteten Vergewaltigung in Schwetzingen. Kachelmann soll seine 38-jährige Ex-Geliebte aus Schwetzingen mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben. Der 52-Jährige bestreitet die Tat.
Kachelmanns Anwalt warf der Schweizerin vor, es gehe ihr um wirtschaftliche Interessen. "Wer in Wahrheit nur Geschäfte machen will, kann nicht erwarten, dass das Gericht auch nur ein Wort glaubt", sagte der Anwalt. Schwenn hatte schon an früheren Verhandlungstagen vergeblich beantragt, die Redaktionen von "Focus" und "Bunte" zu durchsuchen.
Eine 30-Jährige, die nach Bekanntwerden der Vergewaltigungsvorwürfe bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt hatte, wurde am Montag befragt. Ihre Beziehung zu dem 52-Jährigen liegt schon länger zurück. Während der Vernehmung war die Öffentlichkeit ausgeschlossen.
Nachdem die Frau bei der Staatsanwalt ausgesagt hatte, hatte die Mannheimer Justiz ein Ermittlungsverfahren gegen Kachelmann wegen gefährlicher Körperverletzung eingleitet. Doch wegen des aktuellen Prozesses wurde das Verfahren vorläufig eingestellt. Der Anwalt des Schweizers stufte die Aussage der Frau nach der Vernehmung als "vollkommen irrelevant" ein.
Außerdem beantagte Schwenn beantragte, zwei Flugreisende als Zeugen zu vernehmen, die mit Kachelmann vor dessen Festnahme am 20. März 2010 in der Maschine von Vancouver nach Frankfurt gesessen hatten. Sie würden bestätigen, dass sich der 52-Jährige während des Flugs normal verhalten habe. Am kommenden Mittwoch soll der Prozess fortgesetzt werden. Dann soll ein Polizist vernommen werden, der bei der Festnahme des 52-jährigen Wettermoderators dabei gewesen war. dpa