Sonntag, 19. November 2017

14. September 2017 17:50 Uhr

Schule

Deutsche wünschen sich einen Computer für jeden Schüler

Die Mehrheit der Deutschen sagt: Digitalisierung bereichert das Leben. Und sie fordert, dass Schulen endlich in der Gegenwart ankommen.

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Schulbuch und Tablet: So soll die Schule der Gegenwart sein.
Foto: Carmen Jaspersen, dpa

Kommunikation findet oft über das Smartphone statt, Roboter unterstützen den Produktionsablauf in Unternehmen, Privatleben und Beruf sind vernetzter denn je – und mehr als die Hälfte der Deutschen findet das auch gut so.

54 Prozent der Bundesbürger sehen sich als Gewinner der Digitalisierung und finden, dass sie ihr Leben positiv beeinflusst, wie das neue Ifo-Bildungsbarometer zeigt, das gestern in Berlin präsentiert wurde. Nur 16 Prozent bezeichnen sich in der repräsentativen Umfrage des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung als Digitalisierungs-Verlierer, der Rest ist unentschlossen. Gründe für ihre Antwort mussten die 4000 Befragten nicht angeben. Ob sich die Einstellung zur Digitalisierung je nach Altersgruppe unterscheidet, haben die Forscher bislang ebenfalls nicht untersucht.

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Führt Digitalisierung zu mehr sozialer Ungleichheit?

Bei der Frage, ob die Digitalisierung gut für die Gesellschaftsstruktur im Ganzen ist, sind die Deutschen gespalten. Die Hälfte geht davon aus, dass die zunehmende Verbreitung digitaler Hilfsmittel zu mehr sozialer Ungleichheit führt. Die Befragten fürchten zum Beispiel, dass vor allem Arbeitsplätze für gering qualifizierte Arbeitnehmer wegfallen könnten, wenn auch Roboter dafür eingesetzt werden könnten. Eine Mehrheit der Deutschen hält es dagegen für wichtig, Kinder schon früh an das Leben in einer digitalen Welt heranzuführen: Neun von zehn fordern, dass etwa Medienkompetenz spätestens an weiterführenden Schulen vermittelt werden soll. Etwa zwei Drittel wünschen sich, dass dort auch jeder Schüler einen eigenen Computer bekommt und mindestens 30 Prozent der Unterrichtszeit damit arbeitet.

Für Mitherausgeber Ludger Wößmann heißt das ganz klar: Die Politik muss handeln. „Die Deutschen wollen, dass sich bei der Digitalisierung im Schulsystem etwas tut“, sagte er unserer Zeitung. Dass die Zuständigkeit zwischen Bund und Ländern nicht ganz eindeutig ist, macht großen Abstimmungsbedarf notwendig. Wößmann fürchtet deshalb, dass „noch Jahre vergehen werden, bis Veränderungen an den Schulen ankommen“.

Auch Lehrer wünschen sich mehr Ausstattung

Im Freistaat hielten 2016 zwei Drittel der Lehrer die Ausstattung mit Technik und Software an ihrer Schule für unzureichend, wie eine Mitgliederbefragung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands ergab. Ob digitale Lernhilfen zum Einsatz kommen, hängt demnach stark vom Lehrer ab. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) will „mittelfristig“ digitale Klassenzimmer etablieren, die für modernes Lernen technisch ausgestattet sind. Ab sofort soll es auch gezielt Fortbildungen für Lehrer geben.

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Schlagworte

Augsburg | Berlin | Ludwig Spaenle | CSU

Ein Artikel von
Sarah Ritschel

Augsburger Allgemeine
Ressort: Bayern und Welt


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