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13. Februar 2009 15:50 Uhr

Die «Liebesschlösser» von Köln

Köln (dpa) - «Zuckerschnut und Liebelein» haben sich hier ewige Treue geschworen. Koko und Steffi sind «füreinander bestimmt». Und «im Herzen verbunden» sind Norbert und Andrea.

Die «Liebesschlösser» von Köln
Foto: DPA

Die Zeugnisse all dieser Liebesgeschichten lassen sich auf der Kölner Hohenzollernbrücke finden: Mehr als 350 Vorhängeschlösser mit den Namen verliebter Paare hängen an dem Zaun, der den Fußweg über den Rhein von den Gleisen der Eisenbahnbrücke trennt. Manche Schlösser sind mit Filzstift bekritzelt, andere aufwendig graviert ­ die passenden Schlüssel haben die Pärchen jedoch allesamt in den Fluss geworfen. So kann niemand das Schloss ihrer Liebe wieder öffnen.

«Schloss und Schlüssel sind ein ganz altes Symbol für die Liebe», sagt Dagmar Hänel. Seit September untersuchen die Volkskundlerin und ihre Kollegen am Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) das besondere Ritual der Kölner Liebespaare. Im vergangenen Sommer sind Hänel die ersten Schlösser aufgefallen, seitdem werden die Liebesbeweise regelmäßig gezählt. Größe und Aussehen des Schlosses scheinen dabei unerheblich zu sein: Vom winzigen, rosafarbenen Poesiealbum-Schlösschen bis zum massiven Vorhängeschloss sind alle Varianten am Zaun zu finden.

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Wichtiger als Form und Farbe der Schlösser ist Hänel jedoch die Frage, wie das Ritual entstanden ist und wo man es sonst noch beobachten kann. «Eine rheinische oder deutsche Tradition ist das nicht», erklärt ihr Kollege Alois Döring. Vielmehr scheint der Brauch vom Tiber an den Rhein gewandert zu sein: An der Milvischen Brücke in Rom hängen Tausende Schlösser. Die Last der «Lucetti d'Amore», der Liebesschlösser, hat dort sogar schon eine Brückenlaterne zum Einsturz gebracht. Auch in Osteuropa ist der Brauch bekannt: Urlauber berichteten den Forschern des LVR von Schlössern an Brücken in Riga, Königsberg und Budapest.

In Deutschland hat sich das Ritual jedoch noch nicht durchsetzen können: Außer in Köln hängen laut Hänel lediglich an einer Brücke über die Alte Jeetzel, einem Fluss im niedersächsischen Kreis Lüchow/Dannenberg, einige wenige Schlösser. Dabei räumt die Volkskundlerin den Liebesschlössern durchaus Chancen ein, zu einem überregionalen Brauch zu werden: «Solche Handlungen werden aufgegriffen, wenn sie den Menschen ein gutes Gefühl geben», sagt Hänel. «Und die Schlösser haben ja etwas Schönes, etwas Lebensbejahendes.»

Zumindest die Kölner scheinen die kleinen Liebesbeweise ins Herz geschlossen zu haben. Die ersten aufgehängten Schlösser waren noch von Mitarbeitern der Deutschen Bahn, der Eigentümerin der Hohenzollernbrücke, aufgebrochen und entfernt worden. Dagegen protestierten viele Kölner Bürger ­ jetzt dürfen die Liebessymbole an der Brücke bleiben. «Die Schlösser kümmern uns nicht mehr und bleiben hängen», stellt Bahn-Sprecher Gerd Felser klar. Nur wenn der Schienenverkehr ­ täglich überqueren über 650 Züge die Hohenzollernbrücke ­ oder Fußgänger durch die Schlösser gefährdet seien, müsse man eingreifen. «Aber da müsste wahrscheinlich eine Million von den Dingern am Zaun hängen, und davon sind wir ja noch weit entfernt», meint Felser.

An diesem Samstag könnten jedoch einige Schlösser dazu kommen: Volkskundlerin Hänel rechnet damit, dass zum Valentinstag wieder zahlreiche Paare ihre Liebe an der Hohenzollernbrücke dokumentieren werden.

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