Mit dem heutigen Frühlingsanfang beginnt für Allergiker die kritische Zeit. Von Karin Seibold

Der Frühling kommt. Das ist die gute Nachricht. Die Schlechte ist: Er kommt, wegen der eisigen Temperaturen der vergangenen Wochen, besonders für Allergiker in diesem Jahr mit ganzer Wucht. Denn die Hasel, die in anderen Jahren die Pollen-Saison eröffnet, wurde durch die Minus-Grade der vergangenen Wochen ausgebremst. „Jetzt aber, wo die Temperaturen steigen, setzt der Pollenflug von Hasel und Erle zeitgleich ein“, sagt Christian Haller, Medizin-Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst.
Besonders der Südwesten Deutschlands sei betroffen, und besonders am heutigen Donnerstag, für den Temperaturen bis zu 16 Grad angekündigt sind, dürfte bei Allergikern das große Niesen beginnen. In Bayern meldet der Pollenflugkalender für heute erstmals in diesem Jahr „Warnstufe 3“ für Hasel und Erle. Auch bei Pappel, Ulme und Weide beginnt mit „Stufe 1“ die kritische Zeit.
Bei einer Temperatur von etwa 5Grad beginnt die Hasel zu blühen, die Erle erwacht bei etwa 8 Grad aus dem Winterschlaf. In anderen Jahren sind Haselpollen deshalb schon rund zwei Wochen früher in der Luft. In diesem Jahr aber ballt sich mit dem warmen Frühlingswetter die doppelte Portion Pollen an einem Tag. „Der Donnerstag wird für Allergiker kein schöner Tag“, sagt Christian Haller voraus.
Heuschnupfen ist die in Deutschland am häufigsten verbreitete Allergie. Grundsätzlich leidet einer neuen Forsa-Umfrage zufolge jeder dritte Deutsche an einer Unverträglichkeit bestimmter Stoffe – fast die Hälfte davon hat Schwierigkeiten mit Gräsern, Bäumen oder Sträuchern (siehe Infokasten).
Mehr als die Hälfte der Allergiker versucht, sich selbst zu behandeln. Laut der repräsentativen Umfrage greifen 58 Prozent der Betroffenen auf nicht verschreibungspflichtige Medikamente zurück. 30 Prozent waren wegen ihrer Unverträglichkeit noch nie beim Arzt.
Genau vor solchen Selbstversuchen aber warnt die Deutsche Dermatologische Gesellschaft. Vielen Patienten sei nicht bewusst, dass auf eine Allergie ernsthafte Erkrankungen folgen könnten, heißt es dort. „Mediziner sprechen da vom sogenannten Etagenwechsel“, erklärt der Augsburger Hautarzt Dr. Georg Popp: „Wenn etwa ein Heuschnupfen nicht behandelt wird, kann es passieren, dass er nach ein paar Jahren zu Asthma wird.“
Sobald die Pollenflug-Saison begonnen hat, sei es für Hyposensibilisierungen in der Regel zwar vorerst zu spät. Doch grundsätzlich sei es für einen Allergiker erst einmal wichtig, zu wissen, gegen welche Stoffe genau seine Unverträglichkeit überhaupt besteht.
Denn, wer in diesen Tagen mit Hasel- und Erlenpollen zu kämpfen hat, dem könnte schon Ende März die nächste Bekanntschaft drohen: Dann werden die Birken beginnen, ihren Blütenstaub zu verteilen.
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