Startseite
Icon Pfeil nach unten
Panorama
Icon Pfeil nach unten

Engel mit den Eisaugen: Gericht spricht Amanda Knox von Mordvorwurf frei

Engel mit den Eisaugen

Gericht spricht Amanda Knox von Mordvorwurf frei

  • |
  • |
  • |
    Die wegen Mordes angeklagte US-Studentin Amanda Knox wurde am Montagabend freigesprochen.
    Die wegen Mordes angeklagte US-Studentin Amanda Knox wurde am Montagabend freigesprochen.

    Amanda Knox wurde am späten Montagabend von einem Berufungsgericht im italienischen Perugia vom Vorwurf des Mordes und der sexuellen Nötigung freigesprochen.  Lediglich ein gegen die 24-Jährige US-Studentin verhängtes Urteil wegen Verleumdung, weil sie versucht haben soll, den Mord an einer britischen Studentin einem Barbesitzer anzuhängen, hielten die Richter aufrecht. Die dafür festgelegte Strafe von drei Jahren hat sie jedoch bereits abgesessen.

    Aufgehoben wurde auch das Urteil gegen ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito. Die beiden waren  in Berufung gegangen, nachdem sie 2009 wegen Mordes an Knox' Mitbewohnerin zu 26 und 25 Jahren Haft verurteilt worden waren.

    Die Mutter des Opfers nahm das Urteil reglos und stumm auf. Die  britische Studentin Meredith Kercher war Anfang November 2007 mit  durchgeschnittener Kehle und von 43 Messerstichen durchlöchert in dem Haus in Perugia gefunden worden, das sie mit Knox bewohnte.  Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wurde die damals 21-Jährige  gemeinsam von Knox, Sollecito sowie dem gemeinsamen Bekannten Rudy  Guede ermordet, weil sie sich weigerte, bei Sexspielen mitzumachen.

    Im ersten Verfahren hatte das Gericht es als erwiesen angesehen, dass Knox und Sollecito die Britin unter Einfluss von Drogen und  Alkohol getötet hatten, während der ebenfalls berauschte Ivorer Guede die Arme des Opfers festhielt. In dem jetzigen  Berufungsverfahren äußerten unabhängige Experten ernsthafte Zweifel  an den DNA-Tests, die zur Verurteilung von Knox und Sollecito  geführt hatten.

    Guede war nach einem Teilgeständnis in einem getrennten  Schnellverfahren bereits zu 16 Jahren Haft verurteilt worden. Knox  und Sollecito hatten dagegen stets ihre Unschuld beteuert, sich  aber im Laufe der Ermittlungen in Widersprüche verstrickt.

    Am Montag hielten sie vor Gericht noch einmal an ihrer Unschuld  fest. "Ich habe niemanden umgebracht, vergewaltigt oder bestohlen",  sagte Knox unter Tränen. "Ich war überhaupt nicht da." Sollecito  sagte, er habe in seinem Leben noch niemandem wehgetan. 

    Amanda Knox brach nach dem Freispruch in Tränen aus

    Und tatsächlich ordnete der italienische Richter dann die "sofortige Freilassung" der beiden Freigsprochenen aus dem Gefängnis an. Amanda Knox brach in Tränen aus. Ihre Schwester Deanna Knox sagte, für  Amanda sei nun "ein Albtraum zuende". "Sie hat vier Jahre lang für  ein Verbrechen gelitten, das sie nicht begangen hat", sagte die  Schwester unter Tränen. 

    Vor dem Gericht protestierte am Montagabend eine Menschenmenge mit  Rufen wie "Schande, Schande" und "Mörder!" gegen das Urteil.  Ebenfalls vor dem Gericht sowie im Gerichtssaal reagierten andere  mit Jubel auf die Entscheidung.

    Auch in den Medien hatte der Prozess die Gemüter erhitzt, wobei in  den USA und Großbritannien unterschiedliche Positionen bezogen  wurden. Während britische Boulevardzeitungen Knox als Täterin darstellten, übernahmen US-Blätter ihre Verteidigung und  kritisierten das italienische Rechtssystem.

    Italienische Berichterstatter hatten Amanda Knox wegen ihres kindlichen und zugleich undurchdringlichen Gesichtsausdrucks "Engel mit Eisaugen" getauft. Galt sie den einen als verkommen, so schilderten die anderen sie als naive junge Frau, die einen juristischen Albtraum durchlebte.

    Aus diesen durfe Amanda Knox gestern erwachen. afp/dpa

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden