Die Mitgliederversammlung lehnte am Samstag im thüringischen Rudolstadt mit großer Mehrheit einen Antrag auf Aberkennung der Ehrenpräsidentschaft ab. Abgelehnt wurde auch ein Antrag, dass das PEN-Zentrum eine offizielle Erklärung gegen eine angebliche Rufmord-Kampagne gegen den Literaturnobelpreisträger abgeben solle.
Schriftstellervereinigung für Freiheit des Wortes
Nach teils kontroverser Diskussion rangen sich die Mitglieder zu der Entscheidung durch, trotz vieler Vorbehalte nicht inhaltlich über das Grass-Gedicht zu diskutieren. Begründung: Die Schriftstellervereinigung habe sich der Freiheit des Wortes verschrieben.
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Günter Grass hat in seinem umstrittenen Gedicht «Was gesagt werden muss» eine Reihe von Behauptungen aufgestellt. Die Nachrichtenagentur dpa hat sie anhand von öffentlich bekannt gewordenen Fakten und Aussagen überprüft.
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Der Erstschlag gegen den Iran wird in Planspielen geübt?
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Ja. Die israelische Regierung und westliche Länder haben betont, die militärische Option werde als letzte Maßnahme nicht ausgeschlossen. Dass es entsprechende militärische Planungen und Übungen gibt, gilt als sicher. Seriöse Medien haben bereits über Details berichtet. Diese sind erwartungsgemäß nie offiziell bestätigt worden. Auch Äußerungen von US-Regierungsmitgliedern legen nahe, dass es in Israel Planungen gibt.
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Der Bau einer Atombombe im Iran wird nur vermutet und ist unbewiesen?
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Ja. Der Iran bestreitet, Atombomben zu entwickeln. Auch die israelische Regierung geht davon aus, dass der Iran noch nicht mit dem Bau begonnen hat. Die Internationale Atomenergiebehörde in Wien (IAEA) geht Hinweisen nach, wonach der Iran an einem geheimen militärischen Atomprogramm gearbeitet hat. Darüber hinaus hat die Führung in Teheran eine Reihe von Fragen der IAEA bislang nicht beantwortet.
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Israel könnte das iranische Volk auslöschen?
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Nein. In Israel und anderswo war nie die Rede von atomaren Angriffen auf den Iran. Bei den Planspielen, die in Medien veröffentlicht worden waren, geht es um gezielte Luftangriffe sowie das Bombardement von Anlagen, die zum Atomprogramm gehören.
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Das israelische Atomwaffenprogramm wächst und wird geheim gehalten?
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Unklar. Über das israelische Atomwaffenprogramm gibt es keine offiziellen Angaben. Es wird vermutet, dass Israel seit den 1960er Jahren Atomwaffen besitzt. Offiziell zugegeben wurde dies nicht, weil sonst internationale Kontrollen zugelassen werden müssten. Das lehnt Israel aus Sicherheitsgründen ab. Israels Ex-Ministerpräsident Ehud Olmert hatte sich im Dezember 2006 in einem Interview versprochen und den Eindruck vermittelt, er habe Israel als Atommacht geoutet. Olmert ruderte dann sofort zurück.
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Wer über Israels Atompotenzial oder seine Angriffspläne gegen den Iran spricht, wird des Antisemitismus beschuldigt?
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Nein. In Israel und außerhalb werden diese Themen seit Jahren lebhaft diskutiert. Der Vorwurf des Antisemitismus ist dabei nicht sichtbar erhoben worden.
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Israel gefährdet den Weltfrieden?
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Nein. Israel betrachtet den Iran als derzeit größte Gefahr für seine Existenz. Ein Grund ist die Drohung, Israel von der Landkarte verschwinden zu lassen. Ein weiterer Grund ist die Unterstützung des Irans für militante und radikal-islamische Palästinenserorganisationen sowie die pro-iranische Hisbollah im Libanon. Der Westen ist sich einig, dass eine iranische Atombombe nicht nur Israel bedroht. Wegen eines drohenden Wettrüstens sowie der Gefahr einer Weiterverbreitung stünde die Sicherheit der Region und möglicherweise der Welt auf dem Spiel.
Das gelte auch für israelkritische Grass-Gedicht «Was gesagt werden muss», sowie für die Medien.
Grass fehlte krankheitsbedingt
Günter Grass hatte Anfang April mit dem Gedicht für heftige Diskussionen gesorgt. Darin schrieb er, Israel bedrohe als Atommacht den Weltfrieden und könne das iranische Volk mit einem Erstschlag auslöschen. Israel verbot Grass daraufhin die Einreise. Der erkrankte Grass nahm wie die beiden Antragsteller an der Tagung nicht teil.

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1960er Jahre: Der deutsche Schriftsteller Günter Grass (links) bei einem Treffen mit dem israelischen Literaturnobelpreisträger Schmuel Josef Agnon in den 60-er Jahren. Nach der Veröffentlichung seines umstrittenen Gedichts "Was gesagt werden muss", hat Israel Grass jetzt mit einem Einreiseverbot belegt. Israelische Politiker nennen ihn einen Antisemiten - bei seinem ersten Besuch in Israel vor 45 Jahren war der Schriftsteller dagegen überaus freundlich empfangen worden.
Foto: Meyerowitz, dpa

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1964: Nach der Besichtigung der Weltausstellung in New York trifft Berlins damaliger Regierender Bürgermeister Willy Brandt (links) im Berlin-Pavillon mit dem Schriftsteller Günter Grass und dessen Frau Anna-Margareta zusammen. Fünf Jahre später tourt der führerscheinlose Grass zusammen mit Unterstützern von März bis September vom Norden bis zum Süden der Republik als Wahlkampfhelfer für Willy Brandt.
Foto: dpa

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1979: Schriftsteller Günter Grass (links), David Bennent als Blechtrommler Oskar Mazerath und Regisseur Volker Schlöndorff (rechts) während einer Drehpause zu dem Film «Die Blechtrommel» im Jahr 1979.
Foto: dpa
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