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Großrazzien in Hessen und NRW: Hunderte Polizisten durchsuchen Räume von Salafisten

Großrazzien in Hessen und NRW

Hunderte Polizisten durchsuchen Räume von Salafisten

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    Hunderte Polizisten durchsuchen Räume von Salafisten
    Hunderte Polizisten durchsuchen Räume von Salafisten

    Seit dem frühen Dienstagmorgen laufen Razzien gegen Salafisten-Vereine, wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch in Berlin sagte. Schwerpunkte sind Nordrhein-Westfalen und Hessen.

    Hunderte Polizisten sind im Einsatz

    Zuvor hatte schon die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise über die lange geplante Aktion berichtet. Hunderte Beamte seien im Einsatz.

    Islamistische Bedrohungen in Deutschland

    Oktober 2012: Das Bonner Landgericht verurteilt einen Salafisten zu sechs Jahren Haft. Bei einer Kundgebung gegen die rechtsextreme Splittergruppe "Pro NRW" im Mai hatte er zwei Polizisten mit einem Messer verletzt.

    Juli 2012: In Düsseldorf beginnt der Prozess gegen vier mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder, die einen Sprengstoffanschlag in Deutschland geplant haben sollen. Die Mitglieder der sogenannten Düsseldorfer Zelle haben laut Bundeskriminalamt an einer Bombe gebaut.

    März 2011: Ein junger Kosovo-Albaner erschießt auf dem Flughafen Frankfurt/Main zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer. Er gilt als islamistischer Einzeltäter und wird im Februar 2012 zu lebenslanger Haft verurteilt.

    September 2007: Die islamistische Sauerland-Gruppe wird festgenommen. Vor Gericht müssen sich die vier Mitglieder wegen der Planung von Terroranschlägen auf Diskotheken, Flughäfen und US-Einrichtungen in Deutschland verantworten. 2010 werden sie zu bis zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt.

    Juli 2006: Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Regionalzügen Kofferbomben gefunden. Nur wegen eines falschen Gasgemischs waren sie nicht explodiert. Im Dezember 2008 wird der "Kofferbomber von Köln" zu lebenslanger Haft verurteilt.

    Dezember 2004: Mitglieder der kurdisch-irakischen Islamistengruppe Ansar al-Islam planen, Iraks Ministerpräsidenten Ijad Allawi während eines Deutschland-Besuches zu ermorden. Die Polizei hört ihre Telefongespräche ab und nimmt drei Männer fest. 2008 wird der Haupttäter zu zehn Jahren Haft verurteilt.

    April 2002: Der Polizei gehen mutmaßliche Anhänger der Al-Kaida nahestehenden Terrorgruppe Al-Tawhid ins Netz. Die Männer planten Angriffe auf das jüdische Gemeindezentrum in Berlin und jüdische Gaststätten in Düsseldorf. Sie werden zu Haftstrafen verurteilt.

    Bereits im Juni 2012 waren Polizei und Justiz mit Großrazzien gegen radikal-islamische Salafisten vorgegangen. Beamte hatten damals Wohnungen, Vereinsräume und eine Moschee in Solingen in NRW durchsucht; Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) verbot im Zuge der Aktion die salafistische Vereinigung "Millatu Ibrahim". Sein Sprecher sagte nun, die Auswertung der damals gefundenen Unterlagen habe Hinweise für die jetzige Folgeaktion geliefert.

    Was ist Salafismus?

    Die Salafismus ist eine religiöse und politische Bewegung des Islam, die nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Salafisten lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine "islamische Ordnung" mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an.

    Sie vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und wenden sich gegen jede theologische Modernisierung. Das arabische Wort "Salaf" steht für: Ahnen, Vorfahren. Salafisten tragen Bärte und lange, knöchelfreie Gewänder oder Hosen. Sie vertreten diskriminierende Positionen gegenüber Frauen und bestehen auf deren Vollverschleierung.

    Das ist Salafismus

    Salafisten wollen Staat, Rechtsordnung und Gesellschaft nach mittelalterlichen Regeln umgestalten. Sie sehen sich als Verfechter eines unverfälschten Islams, lehnen Reformen ab und betreiben die Errichtung eines islamistischen Gottesstaates.

    Das Bundesamt für Verfassungsschutz bezifferte die Zahl radikal-islamistischer Salafisten in Deutschland bis Ende Oktober 2016 auf 9200. Es radikalisieren sich dabei immer mehr junge Menschen.

    Motor der Radikalisierung ist oft das Internet. Eine autoritäre Erziehung, innerfamiliäre Gewalt und soziale Unsicherheit verstärken Studien zufolge die Bereitschaft junger Menschen, selbst gewalttätig zu werden und sich von Islamisten vereinnahmen zu lassen.

    In Deutschland zählen die Salafisten nach Angaben der Innenbehörden inzwischen rund 4500 Anhänger, 2011 waren es noch 3800. Teile der Bewegung stehen beim Verfassungsschutz im Verdacht, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen.

    In der Bundesrepublik stand die terroristische Sauerland-Gruppe unter salafistischem Einfluss. Fast alle Islamisten in Deutschland, die den Dschihad ("Heiligen Krieg") befürworten, sind laut Verfassungsschutz mit dem Salafismus in Berührung gekommen.  dpa

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