Langsam scheint das Unbehagen zu weichen, das Vertrauen zu wachsen. Und das hat weit mehr mit Musik zu tun, als man zunächst befürchten muss. Denn dass jetzt, gut acht Monate nach dem Tod der wohl aufsehenerregendsten Soul-Sängerin unserer Zeit, nach der Tragödie um Amy Winehouse, ausgerechnet deren Patenkind mit seiner Musik für Furore sorgt – das liegt eben doch auch an der Qualität seines Albums „Good for the soul“.
Dionne Bromfield: Mit 16 zwei Platten veröffentlicht
Es ist bereits das zweite von Dionne Bromfield, obwohl die im Februar erst 16 geworden ist; und in ihrer britischen Heimat ist die Platte nicht mal einen Monat nach dem Tod ihrer Tante erschienen. Vielleicht ja tatsächlich aus Skrupeln, wahrscheinlich doch eher wegen ökonomischer Zweifel – für den Rest der Welt jedenfalls hat sich der Branchenriese Universal deutlich mehr Zeit gelassen mit der Veröffentlichung. Und so läuft erst seit kurzem die Vermarktungs-Maschinerie samt Interviews, in denen Dionne Bromfield dann erzählen kann von einem Traum wie diesem: „Es ist dunkel in meinem Schlafzimmer, ich öffne die Augen und sehe, dass jemand am Fußende meines Bettes steht. Es ist Amy … Amy sieht mich an, spricht mir Mut zu: ‚Mach weiter mit deiner Karriere‘, sagt sie, ‚hab keine Angst und lass dich nicht beirren, es wird großartig werden, du musst nur dranbleiben und an dich glauben.‘“ Stilisiert die sich da schon selbst zur Erbin?
Tatsächlich hat Winehouse sich ihrem Patenkind schon als Mentorin und als Förderin angenommen. Als Dionne noch zarte elf war, hat sie mit ihr das erste Duett aufgenommen und nur ein Jahr später die Aufnahmen zu deren Debütalbum „Introducing: Dionne Bromfield“ vermittelt. Und die hört sich auch an wie eine Erbin. Auf „Good for the soul“ klingt gut die Hälfte der 14 Songs eindeutig nach Amy, der Rest ist lollypoppiger. Und Dionne singt das gut, erstaunlich charaktervoll für ihr Alter und damit weitaus besser als so manches Sternchen in der stetig anwachsenden Brit-Soul-Welle der vergangenen Jahre, Duffy etwa. Andererseits ist es angesichts der mächtigen Adele oder eines prächtigen Michael Kiwanuka eben auch schwieriger geworden, gleich zur Sensation zu avancieren.
"Ich kann und will nicht die neue Amy Winehouse sein"
Aber das kann in diesem Fall nur gut sein. Befremdlich genug schon, wie Dionne Bromfield zusehends immer weiter zur Mittzwanzigerin aufgemotzt auftritt. Da will man geradezu für sie hoffen, dass der große Erfolg, so er denn kommt, langsam kommen möge. Denn sie sagt auch das: „Hin und wieder träume ich davon, ich hätte eine normale Kindheit und Jugend gehabt …“ Und das: „Die Erwartungen, denen ich ausgesetzt bin, machen mir manchmal Angst. Ich kann und will nicht die neue Amy sein.“