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Energie: Jetzt will BP im Mittelmeer nach Öl bohren

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Jetzt will BP im Mittelmeer nach Öl bohren

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    Helfer kümmern sich um einen ölverschmierten Vogel.
    Helfer kümmern sich um einen ölverschmierten Vogel.

    Es ist Ferienzeit, und da wird es voll am Mittelmeer, am Strand ebenso wie auf See, wo Kreuzfahrtschiffe, Segelboote, Surfer und Millionäre auf Jachten unterwegs sind. Mancher Tourist springt übermütig von Bord ins offene Meer und gönnt sich eine Tauchtour. Das alles geht unbeschwert - doch wie lange noch?, fragen sich die Italiener.

    Denn British Petroleum (BP), eigentlich genug beschäftigt mit dem Desaster im Golf von Mexiko, will in Kürze im Mittelmeer vor Libyen mit einer neuen Ölbohrung beginnen - noch tiefer als im Golf von Mexiko und "vielleicht noch in der ersten Hälfte des Augusts", wie die Mailänder Zeitschrift Panorama erfahren haben will.

    Der Ort liegt rund 600 Kilometer von Sizilien entfernt und noch ein Stück näher an der Insel Lampedusa, Italiens südlichstem Grenzgebiet. Umweltschützer schlagen schon seit längerem Alarm. Doch nun scheint sich auch Roms Regierung zu rühren.

    Schon 2007 hatte sich BP im Beduinenzelt von Libyens Chef Gaddafi das Geschäft gesichert. In 1740 Metern Tiefe - das sind 213 Meter mehr als im Golf von Mexiko - soll laut Panorama das Projekt starten. Unter dem Meeresgrund vor der libyschen Küste liegt ein riesiges Öl- und Gasfeld, das BP erschließen will. Fünf Bohrungen plant der Konzern. Dabei geht es um ein 20-Milliarden-Dollar-Geschäft.

    Angeblich kam es zu der Übereinkunft, als London und Tripolis über die vorzeitige Freilassung des Lockerbie-Attentäters verhandelten. Die, so das Magazin, sei mithilfe von britischen Geheimagenten zustande gekommen. Einer von ihnen habe dann gekündigt und arbeite jetzt in einer Spitzenstellung bei dem Energieriesen.

    Was in Italien noch mehr verwundert ist die Tatsache, dass man trotz des Desasters vor der US-Küste den Terminplan einhalten will. Man habe daraus gelernt und werde natürlich gut kontrollieren. Zumindest so soll sich der zuständige libysche Minister geäußert haben.

    Warum so eilig, fragt man sich hingegen in Italien. Umweltministerin Stefania Prestigiacomo sagte der britischen Financial Times, sie sei "besorgt" über die BP-Bohrpläne. Ein Moratorium könnte "der richtige Ansatz sein", um Europa Zeit zu verschaffen, eine Strategie zu entwickeln.

    Auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger drängt darauf, ebenso eine maltesische Uno-Abteilung, die für den Umweltschutz im Mittelmeer zuständig ist - und laut der Libyen noch nicht einmal einen Notfallplan für eine mögliche Öl-Katastrophe in der Region hat.

    Italiens Umweltschützer fordern das seit Wochen. "Unsere Nation hat wegen ihrer geografischen und politischen Lage die Pflicht, sich an die Spitze einer internationalen Schutzaktion zu stellen und Druck auf die libysche Regierung auszuüben", verlangt Ermete Realacci von der größten Oppositionspartei PD.

    Umweltexperte Fulco Pratesi malte schon in düsteren Farben aus, was passieren könnte, wenn auch im Golf von Sirte was schiefgehen sollte. Viele Tierarten würden vernichtet, darunter so schöne wie die roten Korallen. Und für Millionen Anwohner, Fischer und Touristen wäre das "ein ganz schwer Schlag". Christa Langen-Peduto

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