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Angst vor atomarer Katastrophe: Jodtabletten und Geigerzähler sind begehrt: übertriebene Vorsorge?

Angst vor atomarer Katastrophe

Jodtabletten und Geigerzähler sind begehrt: übertriebene Vorsorge?

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    Ein Schild warnt vor radioaktiver Strahlung.
    Ein Schild warnt vor radioaktiver Strahlung. Foto: Archivbild: Nadja Aswad

    Immer neue Schreckensmeldungen von den Atomunfällen in Japan rufen in Deutschland Erinnerungen an die Katastrophe von Tschernobyl 1986 wach. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Umweltminister Norbert Röttgen betonten, für Deutschland bestehe praktisch keine Gefahr. Zugleich wird die Bevölkerung vor übertriebenen Reaktionen gewarnt. Anzeichen dafür gibt es bereits: Geigerzähler, mit denen man radioaktive Strahlung messen kann, sind bei mehreren Internethändlern ausverkauft. Berliner Apotheken berichten von einer gesteigerten Nachfrage nach Jodpräparaten. Käufer wollten damit jedoch häufig Verwandte und Freunde in Japan versorgen.

    Diese Jodtabletten sollen vor Schilddrüsenkrebs schützen, indem sie verhindern, dass radioaktives Jod in die Schilddrüse gelangt. Nimmt man Jod vorher in einer hohen Konzentration ein, ist die Schilddrüse gesättigt. Doch das sollte niemand eigenmächtig machen, warnt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). "Das nutzt nur etwas, wenn es eine radioaktive Wolke direkt über Deutschland geben sollte", informierte Apothekerin und ABDA-Sprecherin Ursula Sellerberg. Hochdosiertes Jod solle nur nach Aufforderung der Gesundheitsbehörden genommen werden. Sellerberg erklärt: "Bei Erwachsenen über 45 Jahren kann zu viel Jod sonst das Risiko für Schilddrüsenerkrankungen steigern."

    Das Bundesamt für Katastrophenschutz informiert in einer Broschüre

    Auf ein Merkblatt verweist das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenschutz. Dort beschrieben sind Tipps zur Vorsorge und Eigenhilfe bei chemischen, biologischen, radiologischen oder nuklearen Gefahren.

    Ist man etwa im Freien, sollte man das nächste bewohnte Haus aufsuchen und durch einen Atemschutz, zumindest ein Taschentuch, atmen. Wer bereits mit Gefahrstoffen in Kontakt gekommen ist, sollte beim Betreten des Hauses Oberbekleidung und Schuhe wechseln und sie draußen liegen lassen. Anschließend wird empfohlen, Hände, dann Gesicht und Haare, ebenso Nase und Ohren zu waschen.

    Im Auto sollte man die Belüftung ausmachen und die Fenster schließen. Weiterer Tipp des Bundesamts: Hören Sie Radio (UKW, Regionalsender) und befolgen Sie die Anweisungen der Behörden. Ist man schon in einem Gebäude, wird geraten, dort zu bleiben und gefährdete Passanten vorübergehend aufzunehmen. Auch im Haus sollten Fenster geschlossen sowie Ventilatoren und Klimaanlage ausgeschaltet werden. Zudem raten die Behörden, einen fensterlosen Innenraum aufzusuchen, bei radioaktiven Stoffen möglichst im Keller. Ratschläge des Merkblatts sind zudem: Den Radio oder Fernseher einschalten und die Durchsagen beachten. Zudem sollte man nur in Notfällen telefonieren.

    Bundesländer sind für den Schutz der Bevölkerung zuständig

    In Deutschland wären für den Schutz der Bevölkerung nach einem Atomunfall zunächst die Länder zuständig. Diese betreiben laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) auch Messstellen in der Umgebung der Anlagen. Flächendeckend überwacht der Bund die Radioaktivität. Er kann zum Beispiel im Fall einer Strahlenbelastung Verbote und Einschränkungen beim Verzehr von Lebensmitteln und der Nutzung von Futtermitteln aussprechen, er kann auch bestimmte Verhaltensweisen empfehlen.

    Auch wenn Katastrophenschutz Ländersache sei, könnten die Länder auf die Unterstützung des Bundes bauen, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Dieser beobachte und bewerte die Lage und koordiniere bei Bedarf Schutzmaßnahmen. Zur Verfügung stünden bundesweit 1,8 Millionen ehrenamtliche Helfer, ein Großteil davon bei der freiwilligen Feuerwehr sowie beim Technischen Hilfswerk. dapd/AZ

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