Der Wettermoderator Jörg Kachelmann schießt gegen die Medien. Er wirft ihnen vor, sie hätten ein Comeback unmöglich gemacht. Die ARD ist von seinen Aussagen überrascht. Von Christian Paul

Das Urteil ist noch nicht gesprochen, doch Jörg Kachelmann zieht bereits jetzt Konsequenzen aus dem Prozess gegen ihn: Der wegen Vergewaltigungsvorwürfen angeklagte TV-Wettermoderator kehrt wohl nicht mehr auf die Mattscheibe zurück.
"Ich werde nach all dem keine Wettersendungen mehr moderieren können. Nachdem Staatsanwaltschaft und Medien mein angebliches Privatleben gewaltsam öffentlich gemacht haben, wär's mit dem Blumenkohlwolken-Onkel wohl schwierig", sagte Kachelmann der Bild-Zeitung. "Das Kapitel Fernsehen ist dadurch für mich beendet worden." Kachelmann erreichte seit Mitte der 90er Jahre in der ARD regelmäßig ein großes Publikum. Im Wechsel mit Kollegen moderierte er dort das "Wetter im Ersten" - direkt vor der "Tagesschau" um 20 Uhr sowie im Anschluss an die "Tagesthemen" zu späterer Stunde. Zudem war er von 1999 bis 2004 und von 2007 bis 2009 Gastgeber der MDR-Talkshow "Riverboat".
Die ARD ist von den Aussagen überrascht
In Zukunft will der Wetterexperte nur noch als Redakteur bei seinem Wetterdienst Meteomedia arbeiten. 1990 hatte er das Unternehmen gegründet, das heute hundert Mitarbeiter in Deutschland, Kanada, den USA und der Schweiz beschäftigt. Meteomedia erstellt Wettervorhersagen für TV-Sender, Versicherungen oder Fluglinien.
Die ARD trafen die Aussagen überraschend. "Jörg Kachelmann hat uns im Vorfeld nicht informiert", sagte eine Sprecherin der ARD-Programmdirektion. "Es ist sein gutes Recht, als Privatmann über seine Zukunftspläne zu sprechen. Wir haben Kachelmanns Aussagen zur Kenntnis genommen, werden uns zum Fall aber erst nach Prozessende äußern."
Eine, zumindest zeitnahe, Rückkehr Kachelmanns vor die Kamera wäre ohnehin fraglich. Den Ruf des früheren ProSieben-Moderators Andreas Türck beschädigte zwischen 2004 und 2005 ein Prozess um eine angebliche Vergewaltigung derart, dass er seine Tätigkeit als TV-Moderator einstellen musste - obwohl das Gericht ihn freigesprochen hatte. Türck konzipiert und entwickelt heute mit einer eigenen Firma Web-TV-Formate.
Er möchte in Zukunft monogam leben
Das Urteil im Verfahren gegen Jörg Kachelmann, der am 20. März dieses Jahres in Untersuchungshaft kam, soll am 21. Dezember fallen. Kachelmann bestreitet, seine Ex-Freundin mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Der Bild-Zeitung, deren Verlag der 52-Jährige Ende Juli noch auf etwa zwei Millionen Euro Schadenersatz wegen der Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte verklagt hatte, sagte Kachelmann nun auch, dass er in der Vergangenheit nicht immer treu war: "Ich war nicht immer treu, offen und ehrlich mit meinen Partnerinnen. Wenn ich in Zukunft eine Beziehung führe, werde ich monogam leben." Gleichzeitig habe er sich vorgenommen, Situationen zu vermeiden, "in denen man mir etwas vorwerfen kann, was ich nicht getan habe". Von Christian Paul mit stni, dpa und dapd
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