Peking Kann es wahre Liebe zwischen alten Männern und jungen Frauen geben? Eher nicht, glaubt man in China, wo die Wertevorstellungen traditionell sind und generationenübergreifende Beziehungen als anrüchig gelten. Auch die Ehe zwischen dem Medienunternehmer Rupert Murdoch (80) und seiner 38 Jahre jüngeren chinesischen Frau Wendi Deng galt als Liaison zwischen Altmännerphantasien und Mädchenträumen – bis ein beherzter Schlag eine andere Lesart anbot. Eine Frau, die ihren Mann wie eine Löwin verteidigt – könnten da doch edlere Gefühle im Spiel sein?
Chinas Fernsehzuschauer waren live dabei, als Murdoch vor zwei Wochen im britischen Parlament zum Abhörskandal um seine Zeitung News of the World Rede und Antwort stand. Die Übertragung wurde in chinesischen Blogs mit dem üblichen Spott über Deng begleitet, die in ihrem rosa Blazer und kurzen Rock noch immer aussehe „wie eine Zweitfrau, obwohl sie doch längst die Erstfrau ist“.
Doch dann ging Jonathan May-Bowles mit einem Teller voll Rasierschaum auf Murdoch los, worauf Deng aufsprang, weit ausholte und den Angreifer direkt am Kopf traf. Das Video wurde zur Internetsensation und veränderte Dengs Image in ihrer Heimat im wahrsten Sinne des Wortes schlagartig. „Wendi Deng lehrt die Welt chinesisches Kung-Fu“, jubelt die Internetgemeinde. In Online-Umfragen ist sie geradezu eine Volksheldin. „Im chinesischen Sprachgebrauch ist Wendi Dengs Name ein Synonym dafür, wie man mit Ehrgeiz, Opportunismus und Skrupellosigkeit seine Ziele erreicht“, schreibt dagegen Blogger Hecaitou. „Allgemein gehen alle davon aus, dass Murdoch das stärkste Sprungbrett war, das Wendi Deng sich erträumen konnte, doch in Wahrheit liebt sie nur sich selbst, wie eine weibliche Tarantel.“
Von der Übersetzerin zur Frau eines Medienmoguls
Obwohl Deng später häufig von der Armut ihrer Kindheit erzählen sollte, stammt sie aus vergleichsweise privilegierten Verhältnissen. Dengs Vater, Parteikader und Leiter eines Staatsbetriebs, konnte seiner Tochter Möglichkeiten eröffnen, die anderen nicht offen standen. So lernte sie als 16-Jährige die amerikanische Familie Cherry kennen, die dem intelligenten Mädchen etwas Gutes tun wollte und sie mit nach Los Angeles nahm. Dort teilte sie das Kinderzimmer mit der fünfjährigen Tochter des Paares – bis sie ins Schlafzimmer zog, die Cherrys sich scheiden ließen und der 50-jährige Hausherr die 19-jährige Gaststudentin heiratete.
Doch schon nach vier Monaten Ehe hatte Deng einen neuen Liebhaber, einen Studenten an der California State University in Los Angeles, an der sie mittlerweile studierte. Bis zur Scheidung dauerte es noch über zwei Jahre – lang genug für eine Greencard, eine Aufenthaltserlaubnis. Nach ihrem Abschluss in Kalifornien schaffte Deng den Sprung an die Elite-Uni Yale, wo sie einen Master-Abschluss machte.
1996 heuerte Deng in Hongkong bei dem Fernsehsender Star TV an, Teil des Imperiums von Rupert Murdoch, der die ehemalige britische Kronkolonie als Brückenkopf nutzen will, um ins chinesische Mediengeschäft einzusteigen. Auf seinen China-Reisen begleitete Deng ihn als Übersetzerin, und bald auch weit darüber hinaus. Murdoch verließ nach 31 Ehejahren seine Frau Anna, und das Paar heiratete 1999 auf Murdochs Jacht „Morning Glory“ im Hafen von New York.