Blitzlichtgewitter unter dem Funkturm, vor dem Eingang kreischen die Fans. So hat man es gern beim Klassentreffen der Popmusik-Branche in Deutschland, so mag man es haben bei der „Echo“-Preisverleihung in Berlin.
Aber nicht nur der Rahmen, auch der Auftakt der Show war ganz nach dem Geschmack der Veranstalter: Als beste internationale Rock-Popgruppe stürmte Take That mit Superstar Robbie Williams die Bühne. Doch dessen Aussage kurz vorher dürfte schon weniger gefallen haben: Er freue sich an diesem Abend am meisten darauf, wieder nach Hause zu kommen. Vielleicht ahnte er da schon mehr.
Der Graf wie einst Alice im Wunderland
Denn wenig überraschend war der erste Echo für Unheilig und seinen Frontman, den „Grafen“. Immerhin freute sich der, denn der Erfolg mit seinem Titel „Große Freiheit“ zeige ihm, dass er mit seinen Gedanken und Gefühlen nicht allein sei. „Ich fühle mich wie Alice im Wunderland.“ Einen bewegenden Moment hatte die Gala mit einem Preis für Ich + Ich, also für Annette Humpe und Adel Tawil. Die 60-jährige Humpe wurde nämlich auch für ihr Lebenswerk geehrt.
Moderatorin und Multitalent Ina Müller hatte die Show mit einem Medley eröffnet, bei dem ihr singende Kollegen zur Seite standen – von Peter Maffay über Anna Loos bis Die Atzen. Müller war selbst in der Kategorie Künstlerin national Rock/Pop als eine Konkurrentin von Lena und Nena für einen Echo nominiert.
Grand-Prix-Siegerin Lena kam wie stets gut gelaunt zur Preisverleihung und war natürlich „aufgeregt, das Herz klopft die ganze Zeit durch“. Immerhin: Geschlafen habe sie gut, sagte die 19-Jährige, die vor einem Jahr noch niemand kannte und die jetzt jeder kennt. Folgerichtig nahm sie denn auch den Preis als beste Newcomerin entgegen und setzte sich damit gegen den 25 Jahre alten Grammy-Preisträger Bruno Mars durch. Kleines Ausrufezeichen hingegen: In der internationalen Newcomer-Kategorie machte das britische Synthie-Pop-Duo Hurts das Rennen, das zwar auch kein Geheimtipp mehr, aber sich unter anderem mit einem kräftigen „Prost“ bedankte.
Das war es dann aber auch schon mit den ersten Höhepunkten, die Show zog und schlängelte sich fürderhin durch den Abend, bis Redaktionsschluss dieser Zeitung war in Berlin jedenfalls nicht Schluss, denn klar: Preise in 25 Kategorien und zahlreiche Auftritte wollen ja auch erst mal über die Bühne gebracht werden.
Herbert Grönemeyer, der seine neue Single „Schiffsverkehr“ sang, äußerte sich dennoch überzeugt vom nunmehr 20-jährigen Echo. Es sei weiterhin ein sehr wichtiger Preis der Musikbranche. Einziger Wermutstropfen für den alten Fahrensmann Grönemeyer: dass immer weniger Jugendliche in die Plattenläden gingen.
Dem einen oder anderen hat es sogar Spaß gemacht
Nicht zuletzt deshalb gibt es aber diese Preisverleihung überhaupt: Von Grönemeyer über die Kastelruther Spatzen bis Lena – die Feier soll auch eine Leistungsschau der deutschen Musikindustrie sein, eine große Werbeveranstaltung, die dem einen oder anderen sowohl auf der Bühne als auch vor dem Fernseher sogar Spaß gemacht hat.
Und das ist dann doch immerhin schon etwas. afp, dapd