In der schnelllebigen Moderne hat das Blitz-Kennenlernen Konjunktur: Beim so genannten "Speed-Dating" sitzen sich die Kandidatinnen und Kandidaten nur ein paar Minuten gegenüber, um einen Kontakt anzubahnen - und schon geht es zum Nächsten. Das funktioniert nicht sonderlich gut, haben Psychologen der Berliner Humboldt Universität herausgefunden: Die Chance, dabei einen Partner zu finden, liegt bei 4,5 Prozent.
Keine hohe Trefferquote. Vielleicht sollten sich die Menschen nicht auf ihre Augen verlassen und sich von einem attraktiven Gesicht täuschen lassen, sondern auf ihre Nase vertrauen. Deshalb könnte ein neues Angebot in Berlin mehr Erfolg haben. Dort gibt es seit Kurzem ein "Dating in the Dark" also eine Kennenlernrunde im Dunkeln. Die Teilnehmer hocken sich paarweise mit verbundenen Augen gegenüber, sie können den Anderen also nur hören und vor allem riechen.
Das ist vermutlich das Entscheidende, wie die neuere Geruchsforschung zeigt. Der banale Satz "Sie können sich gut riechen" ist nicht einfach nur symbolisch gemeint. Wenn einer ein "dufter Typ" ist, dann hat das schon seinen Grund.
Der ist winzig, entfaltet aber eine gewaltige Wirkung. Duftmoleküle beeinflussen unsere Entscheidungsfindung ganz massiv. Davon ist Gary Beauchamp überzeugt. Er ist Direktor des Riechforschungsinstituts in Philadelphia und sagt: "Gerüche spielen eine viel größere Rolle, als wir wahrhaben wollen."
Dafür fanden Wissenschaftler etliche Hinweise. So setzten sich Frauen lieber auf Wartezimmerstühle, die mit Androstenon besprüht waren. Das ist ein mit dem Sexualhormon Testosteron verwandter Stoff, der sich vor allem im männlichen Achselschweiß findet. Dieser Schweiß wirkt sich auch auf den Monatszyklus der Frau aus. Der verkürzt sich und wird regelmäßiger, wenn Frauen über einen längeren Zeitraum engen Kontakt mit Männern pflegen.
Mit solchen Erkenntnissen ist natürlich längst noch nicht alles geklärt, denn der Mensch sendet ein ausgesprochen farbiges Bukett an Düften aus. Wie die einzelnen Bestandteile des Geruchs unser Sexualverhalten, unsere Partnerwahl und unsere Gefühle beeinflussen, muss noch erforscht werden.
Vieles deutet darauf hin, dass die Nase eine entscheidende Rolle bei dem spielt, was wir so einfach "Liebe" nennen. Die Kulturwissenschaftlerin Ingelore Ebberfeld vermutet: "Vielleicht ist vieles, was wir mit unseren Gefühlen erklären, eine Sache des Geruchs."
So sei zu Urzeiten die Kontaktaufnahme, wie bei anderen Säugetieren, über das Beriechen erfolgt. Dazu gehören ihrer Ansicht nach nicht nur die Nasenbegrüßungsküsse der Maoris, sondern auch die französischen Wangenküsse, die sich mittlerweile auch über Deutschland verbreitet haben: Bei einem "zwei- bis dreimaligen Wangenwechsel" werde der Haar- und Hautgeruch wahrgenommen.
Wenn wir schon bei den Franzosen sind, nehmen wir doch gleich den Größten als Zeugen für die Bedeutung von Körpergeruch. Auf dem Weg nach Paris soll Napoleon seiner Geliebten Joséphine geschrieben haben: "Wasch dich nicht, ich komme!" Von Roland Hinzpeter