Das britische Ehepaar McCann hofft noch immer auf die Rückkehr seiner Tochter. Ein Buch soll helfen

Hamburg Ganz nah sitzen die Eltern der verschwundenen Madeleine („Maddie“) McCann in einem Hamburger Hotel beieinander. Wie schon in der Talkshow „Beckmann“. Sie tragen Armreifen mit der Aufschrift: „Madeleine, möge Gott Dich beschützen“. Am 3. Mai 2007 verschwand ihre damals dreijährige Tochter aus einer Ferienwohnung in Praia da Luz an der portugiesischen Algarve-Küste. Wer dafür verantwortlich ist, ist bis heute unklar. Eine Leiche wurde nie gefunden.
Die McCanns suchen immer noch unermüdlich nach ihrem Kind.
„Wir müssen eine Antwort finden und den Verantwortlichen vor Gericht bringen“, sagt Gerry McCann. Aufgeben komme nicht infrage: „Wir werden immer nach ihr suchen“, sagt Kate McCann. In diesen Tagen geben die Briten wieder viele Interviews, denn Kate McCann hat ein rund 450 Seiten starkes Buch über den Fall geschrieben, der weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Am Freitag ist „Madeleine. Das Verschwinden unserer Tochter und die lange Suche nach ihr“ in Deutschland erschienen, mit einer Startauflage von 50000 Exemplaren. In Großbritannien ist das Buch seit dem 12. Mai erhältlich. Es wurde schon Hunderttausende Male verkauft.
Mit dem Erlös wollen die McCanns die Kasse für die Such-Kampagne nach ihrer Tochter auffüllen, weil trotz vieler Spenden das Geld ausgeht. Außerdem soll das Buch ihnen helfen, die internationale Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten. Sie hoffen noch immer auf bislang unbekannte Zeugen. „Wir wollen Madeleine zurück und dafür müssen wir so hart wie möglich arbeiten“, sagt Kate McCann. Immer und immer wieder erzählen die beiden von dem Tag, der ihr bis zu diesem Zeitpunkt glückliches Leben als Familie mit drei Kindern veränderte. Ist es nicht schmerzvoll, diese Erinnerungen unablässig aufzuwühlen? „Es wäre schmerzhafter für uns, nicht über Madeleine zu reden und so zu tun, als hätte es sie nie gegeben“, sagt Gerry McCann. Er und seine Frau sind überzeugt, dass Madeleine noch lebt. Offiziell stellte die portugiesische Polizei die Ermittlungen im Juli 2008 ein. Kurz nach Erscheinen des Buches in Großbritannien erklärte die britische Polizei, die Ermittlungsakten würden neu überprüft. Zwischenzeitlich war das Ärzte-Paar selbst in Verdacht geraten, etwas mit dem Verschwinden seiner Tochter zu tun zu haben. Die Ermittlungen wurden jedoch eingestellt.
„Es wurde ein riesiger Druck auf uns ausgeübt, dieses Verbrechen zu gestehen“, sagt Gerry McCann. „Das Buch soll zeigen, wie leicht man unter so einen Verdacht geraten kann.“ Und so schildert Kate McCann in dem Buch nicht nur ihre Version der Geschehnisse. Sie will auch gegen die Vorwürfe angehen, sie wirke gefühllos und habe nicht gut genug auf ihre Tochter aufgepasst. Von Stephanie Lettgen, dpa
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