Startseite
Icon Pfeil nach unten
Panorama
Icon Pfeil nach unten

Projekt gescheitert: Madonna setzt Millionen in den Sand

Projekt gescheitert

Madonna setzt Millionen in den Sand

  • |
  • |
  • |
    Sängerin Madonna. dpa
    Sängerin Madonna. dpa

    Das verlassene Gelände in  Chinkhota nahe der malawischen Hauptstadt Lilongwe sieht aus wie  ein alter Steinbruch. Nichts erinnert an den glanzvollen Festakt im  April 2010, als US-Star Madonna in dem kleinen Dorf einen  Grundstein legte mit den eingravierten Worten "Wage zu träumen".  Eine Mädchenschule sollte hier entstehen für umgerechnet 10,6  Millionen Euro. Nun sind einige Millionen verschwunden oder  verschleudert, die Träume von einer Mädchenschule für das  bitterarme Land im Südosten Afrikas sind zerplatzt.

    "Das wurde jetzt nur ein Fußballplatz", sagt Ortsvorsteher  Binson Kalenga. Die Planierraupen stehen schon lange still auf dem  kahlen, terrassierten Gelände, ein Jahr nach der Grundsteinlegung  waren die großen Pläne bereits Makulatur. Inzwischen wurde die  Popdiva sogar verklagt von entlassenen Angestellten. Mit ihrem  Antrag auf Einstellung des Verfahrens scheiterte sie am Dienstag  vor Gericht, die Vorwürfe der Ex-Mitarbeiter, ihre Kündigungen  aufgrund des Strategiewechsels von Madonnas Hilfsorganisation  Raising Malawi seien illegal, sollen gehört werden. Gegen Raising  Malawi ermitteln zudem die US-Finanzbehörden und die malawische  Regierung untersucht Zahlungen, die für das Grundstück geflossen  sind.

    "Am Anfang habe ich das Vorhaben begrüßt, doch ich war auch sehr  skeptisch", sagt Paul Kalilombe von der Verwaltung des Distrikts  Lilongwe über Madonnas Pläne für die Mädchenschule. "Es gab einfach  zu viel Publicity, bevor überhaupt etwas gebaut wurde." Die  Probleme begannen bereits mit dem Verkauf der Grundstücke an  Raising Malawi, der über die Regierung abgewickelt wurde. "Es  scheint so, als ob es Geister-Bewohner gab. Auf der Liste der  Empfänger gibt es Namen, die vielleicht von Beamten eingefügt  wurden, die an der Praxis beteiligt waren", sagt Kalilombe und  spielt damit auf Veruntreung von Geldern an. "Aber dies wird  zurzeit von der Finanzpolizei untersucht."

    Die Bewohner von Chinkhota können sich nicht erklären, warum  ihre Felder ruiniert wurden und die Schule trotzdem nicht errichtet  wird. "Die Leute waren einfach überrascht, dass nichts gebaut  wird", sagt die 52-jährige Tsiyent Foroyati. Von Madonna hörte sie  erst, als die US-Sängerin zwei malawische Kinder adoptierte. Als  größte Landbesitzerin erhielt Foroyati umgerechnet 140 Euro  Entschädigung, gefordert hatte sie 13.800 Euro. Nun muss die  Familie für 23 Euro einen Acker pachten. "Auch wenn das Projekt  weitergeht, wären wir sauer - wo sollen wir denn jetzt Gemüse  anbauen?" sagt Foroyati. "Das größte Problem ist, dass es sehr  schwierig wäre, auf dem Land wieder etwas anzubauen, selbst wenn  wir es zurück bekämen."

    Von Raising Malawi wurden keine Fragen beantwortet. Im Januar  sagte Madonna das Schulprojekt offiziell ab: Das Geld solle  stattdessen bereits bestehenden Schulen im Land zugute kommen. Nach  einem Bericht der US-Zeitung New York Times hatte Madonna eine  Betriebsprüfung veranlasst. Ergebnis: 2,7 Millionen Euro sind  bereits in dem Projekt versickert. Die Untersuchung ergab eine  "verblüffende Verantwortungslosigkeit" beim Management in Malawi  und den USA.

    Madonna investierte Millionen in die Unterstützung von Kindern  in dem südostafrikanischen Land, in dem 39 Prozent der Bevölkerung  von weniger als 70 Cent am Tag leben. Im Mphandula Child Care  Centre in Namitete westlich von Lilongwe hängt ein verblichenes  Bild der Diva mit ihrem Ex-Ehemann Guy Ritchie an einer der  Anschlagtafeln. Sie finanzierte das Gemeindehaus, das täglich mehr  als 200 Kinder mit Essen versorgt. Verwaltungsvertreter Kalilombe  glaubt, dass auf dem Gelände in Chinkhota nun ein Waisenhaus  geplant sei. Was die Schule angeht, so hätte Madonna mit einer  bestehenden Organisation zusammenarbeiten sollen, meint er. Diese  hätte besser gewusst, "was hier vor Ort so passiert". afp/AZ

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden