Die Untersuchungen zum Massencrash auf der A 19 dauern noch an, den vorläufigen Abschlussbericht hat die Polizei mittlerweile fertigggestellt. Wie ein Polizeisprecher mitteilt, waren demzufolge noch mehr Autos in den Unfall verwickelt, als bislang angenommen. Insgesamt waren an der Massenkarambolage 82 Fahrzeuge verwickelt, darunter sieben Lastwagen. Bislang sprach die Polizei von 80 Fahrzeugen. Zur Höhe des Schadens konnte der Polizeisprecher jedoch nichts sagen.
Verkehr rollt wieder in Richtung Berlin
Die Äufräumarbeiten wurden am Samstag zum Teil abgeschlossen, seit Samstagnachmittag rollt der Verkehr auf der A 19 wieder in Richtung Berlin. Die gegenüberliegende Fahrbahn in Richtung Rostock war stärker von dem Unfall betroffen - hier wurden insgesamt 59 Fahrzeuge beschädigt. Bei dem Feuer brannten 40 Autos und vier Lastwagen aus, darunter auch ein Gefahrguttransporter, der im hinteren Abschnitt des Staus stand. Manche Autos waren stark ineinander verschmolzen, auch der Fahrbahnbelag auf der Straße ist zum Teil zerstört. Bei dem Unfall am Freitag gegen 12. 30 Uhr sind acht Menschen gestorben, 131 wurden zum Teil schwer verletzt. Ein Unfallopfer schwebt noch in Lebensgefahr. Ausgelöst wurde die Massenkarambolage durch einen Sandsturm. Der starke Wind hatte Staub, Sand und Dreck von den herumliegenden Feldern aufgewirbelt und den Autofahrern auf der A 19 die Sicht stark beeinträchtigt. Die Staatsanwaltschaft Rostock hat inzwischen Ermittlungen aufgenommen. Es besteht der Verdacht der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung. Experten der Prüforganisation Dekra sollen klären, ob Autofahrer angesichts der Sandwand zu schnell oder zu unvorsichtig gefahren sind.
Sandstürme: Keine Seltenheit in Deutschland
Auch wenn sich viele Deutsche Sandstürme nur in der Wüste vorstellen können, in Norddeutschland sind sie keine Seltenheit. Vaussetzungen dafür sind länger anhaltende Trockenheit, starker Wind und kahle Felder. Dann kann der Sturm größere Mengen Sand und anderes lockeres Sediment aufwirbeln - der Sandsturm ist da. Schon mehrfach haben solche Wolken den Verkehr behindert - allerdings noch nie mit so katastrophalen Folgen wie die Massenkarambolage am Freitag. Am 6. April 2003 berichtete die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern von Sandverwehungen auf gleich mehreren Straßen. Auch in Teilen Brandenburgs kam es damals zu diesem Phänomen. Folge waren Unfälle mit Blechschäden. Am 11. April 1997 trug ein Sturm mit mehr als 90 Stundenkilometern Windgeschwindigkeit große Mengen Erde von Äckern in Mecklenburg-Vorpommern ab. Eine Landstraße zwischen Greifswald und Lubmin war wegen bis zu 50 Zentimeter hoher Erdhügel für Stunden unpassierbar, berichtete die Polizei damals. In den Sandböen betrug die Sicht teils nur zwei Meter. dpa/AZ