Autobahnmeisterei und Meteorologen sprachen von einer "unglücklichen Verkettung von Zufällen". Nach dem Horrorcrash auf der A19, der durch einen Sandsturm ausgelöst worden war, ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung. Wie Staatsanwältin Maureen Wiechmann sagte, würden jetzt Experten der Prüforganisation Dekra klären, ob Autofahrer trotz der Sandwand zu schnell oder zu unvorsichtig gefahren sind.
Bei der Massenkarambolage auf der A19 nahe Rostock waren am Freitag drei Frauen und fünf Männer ums Leben gekommen. 131 Menschen erlitten Verletzungen. Ein Mann ringt immer noch mit dem Tod.
Flammeinferno auf A19 ging von einem Auto aus
Das Flammeninferno ging nach Angaben der Feuerwehr von nur einem Pkw aus. "Das war ein Auto, das stand mittendrin und brannte", sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr, Hannes Möller. Der starke Wind habe das Feuer auf benachbarte Wagen übergreifen lassen. Laut Polizei waren 82 Fahrzeuge in einer Sandwolke bei Sichtweiten unter zehn Metern ineinandergerast und teilweise in Brand geraten. Bei dem Feuer brannten 40 Autos und vier Lastwagen aus, darunter auch ein Gefahrguttransporter, der im hinteren Abschnitt des Staus stand. Die Opfer seien in ihren Fahrzeugen bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Rostock am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa.
Noch am Freitag waren fünf Fahrzeuge an der Unfallstelle bei Kavelstorf beschlagnahmt worden. An der Unfallstelle gab es kein Tempolimit. Landesverkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) verlangte eine Debatte über Geschwindigkeitsbegrenzungen, mit dem Ziel, solch folgenschwere Unglücke möglichst zu verhindern. Zur Höhe des Schadens konnte die Polizei auch am Sonntag noch keine genaueren Angaben machen, er gehe aber in die Millionen. Insgesamt waren 300 Retter im Einsatz. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) dankte ihnen für ihren "unheimlich schweren Einsatz".
Die Umweltorganisation BUND machte die Agrarindustrie mitverantwortlich für den Sandsturm. Jahrelange Vernachlässigung der Bodenstruktur habe den Humusgehalt sinken lassen, zudem fehlten Hecken als Wind- und Staubbremsen. Der Bauernverband verwies hingegen auf die anhaltende Trockenheit. Dafür könne kein Landwirt etwas, sagte Landes-Bauernpräsident Rainer Tietböhl.
Die Aufräumarbeiten an der Unglücksstelle waren nach Angaben der Autobahnmeisterei am Sonntag weitgehend abgeschlossen. Nach Angaben der Autobahnmeisterei, sind die von den brennenden Autos angerichteten Straßenschäden vorläufig repariert worden. Am Sonntag wurde kurz nach Mittag auch die Autobahn in Richtung Rostock wieder freigegeben. Bereits am Samstag war nach dem Abtransport der Unfallautos die Strecke Richtung Berlin wieder vollständig frei. Dort hatte es zwar auch eine Massenkarambolage gegeben, Feuer war aber nicht ausgebrochen.