Nach den Geständnissen von acht Minderjährigen steht für die Staatsanwaltschaft Osnabrück noch nicht fest, ob es wegen der Missbrauchsfälle auf der Ferieninsel Ameland überhaupt zu einer Anklageerhebung kommt.
Das Jugendstrafrecht sei vom Erziehungsgedanken geprägt, sagte Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Deshalb könne das Ermittlungsverfahren für die Beschuldigten möglicherweise auch mit einem Anti-Aggressionstraining enden. In einem Feriencamp des Stadtsportbundes Osnabrück auf Ameland sollen Anfang Juli 14 bis 15 Jahre alte Jungen ihre überwiegend jüngeren Opfer brutal gequält und sexuell misshandelt haben.
Die Ermittler hoffen unterdessen, die letzten der 40 Jungen aus dem Schlafsaal des Ferienhauses in den nächsten beiden Wochen vernehmen zu können. Bislang liegen den Justizbehörden die Aussagen von acht Opfern und acht Tätern vor. Die beschuldigten Minderjährigen haben die Vorwürfe ganz oder zumindest zum Teil gestanden. Derzeit ist die Osnabrücker Anklagebehörde nach Angaben Retemeyers damit beschäftigt, "eine Übersicht zu erstellen, aus der erkennbar wird, wer, was, wann und wo gemacht hat" im "Haus Silbermöwe" auf Ameland.
Sobald die Ermittlungsakten komplett sind, werden sie auch dem Jugendamt zur Verfügung gestellt, das Vorschläge für "erzieherische Maßnahmen" unterbreiten soll. ddp