«Der Schrei» von Edvard Munch
Edvard Munchs Bild «Der Schrei» gilt als expressionistisches Meisterwerk. Die Figur auf einer Brücke mit aufgerissenen Augen und weit geöffnetem Mund, die sich die Ohren zuhält, ist weltbekannt.
Vier Versionen hat der norwegische Maler (1863-1944) mit verschiedenen Techniken geschaffen. Zwei entstanden 1893. Eins ist mit Temperafarben und Kreide auf Karton gemalt, das andere ist eine Pastellzeichnung.
Eine weitere Pastellzeichnung stammt aus dem Jahr 1895, die vierte Variante stellte der Künstler wahrscheinlich im Jahr 1910 mit Temperafarben und Öl fertig.
Das Temperagemälde von 1893 hängt in der norwegischen Nationalgalerie, die Pastellvariante vom gleichen Jahr sowie das Werk von 1910 sind Prunkstücke im Munch-Museum in Oslo.
Das Bild vermittelt Verzweiflung und Angst. In einem Tagebucheintrag von 1892 beschreibt der Künstler, wie er bei einem Spaziergang mit Freunden plötzlich «fühlte, wie ein großer, unendlicher Schrei durch die Natur ging».
Munchs "Der Schrei": Der 120 Millionen Dollar-Rekord: Einen Rekorderlös hat das gemälde "Der Schrei" des norwegischen Malers Edvard Munch erzielt.
Munchs Bild war im Besitz eines Unternehmers
Bei der Frühjahrsauktion im Hause Sotheby's wurde das Bild "Der Schrei" von Munch für 119,9 Millionen Dollar versteigert. Das sind 91,3 Millionen Euro. Damit löst die Fassung des expressionistischen Meisterwerks ein Gemälde Picassos als das teuerste jemals bei einer Auktion verkaufte Kunstwerk der Welt ab. Das international bekannte Bild "Der Schrei" steht symbolisch für die existentielle Angst und die Verzweiflung des Menschen in der Moderne.
Sieben Bieter bemühten sich um "Der Schrei"
Insgesamt malte Edvard Munch das Bild vier Mal, die anderen drei Fassungen sind in Museen in Oslo ausgestellt. Zwei Fassungen von "Der Schrei" wurden in der Vergangenheit aus Museen gestohlen, später jedoch wieder gefunden. Bei der Auktion am Mittwoch trieben sieben Bieter innerhalb von nur zwölf Minuten den Preis in die Höhe. Zuletzt kämpften noch zwei Telefonbieter um das Bild, bevor ein Unbekannter den Zuschlag erhielt. Der Verkauf wurde mit Applaus begrüßt.
"Der Schrei" für fast 120 Millionen Dollar versteigert
Das 1895 gemalte Gemälde, das einen schreienden Mann mit den Händen über den Ohren vor einem orangenen Himmel in Oslo zeigt, war die letzte in Privatbesitz befindliche Fassung von "Der Schrei". Auf dem hellen Holzrahmen des Bilds steht in roter Schrift das Gedicht, welches das berühmte Bild inspirierte.
Munch: Ihn ergriff furchtbare Angst
Die teuersten Kunstwerke der Welt
Auf dem Kunstmarkt wurden schon mehrfach extrem hohe Summen gezahlt. Drei der fünf teuersten Kunstwerke der Welt wurden versteigert (Preise zum Zeitpunkt des Verkaufs):
1. Pollock: «No. 5, 1948», 140 Millionen US-Dollar, 2.11.2006
2. Klimt: «Adele Bloch-Bauer I», 135 Millionen US-Dollar, 19.6.2006
3. Picasso: «Nackte, Grüne Blätter und Büste», 106,5 Millionen US-Dollar, 4.5.2010 bei Auktion
4. Giacometti: «L'Homme qui marche I», 104,3 Millionen US-Dollar, 3.2.2010 bei Auktion
5. Picasso: «Junge mit Pfeife», 104,2 Millionen US-Dollar, 5.5.2004 bei Auktion
Die am Mittwoch versteigerte Fassung des Bildes befand sich seit 70 Jahren im Besitz des norwegischen Unternehmers Petter Olsen, dessen Vater Thomas ein Nachbar, Freund und Förderer von Munch war. Olsen will mit dem Erlös aus dem Verkauf in Oslo ein neues Museum zu Munch errichten. Am Mittwochabend sagte er, das Bild werde ein "wichtige Kraft in meinem Leben bleiben". Er sei erfreut, dass die Auktion das Interesse an den Werken Munchs steigere.
Edvard Munch und der schreiende Mann
Für ihn zeige das Bild "den erschreckenden Moment, da der Mensch seine eigene Wirkung auf die Natur erkennt und die irreversiblen Veränderungen, die er ausgelöst hat, die den Planeten zunehmend unbewohnbar machen", sagte Olsen, der die Vorhersehungskraft Munchs würdigte. Munch hatte in seinem Tagebuch im Januar 1892 beschrieben, wie ihn bei einem Spaziergang am Fjord beim Anblick des Sonnenuntergangs furchtbare Angst ergriffen hatte.
Zuvor war das teuerste Kunstwerk der Welt das Gemälde "Akt mit grünen Blättern und Büste" des spanischen Malers Pablo Picasso, das 2010 für 106,5 Millionen Dollar verkauft worden war. Sotheby's erzielte am Mittwoch bei der Versteigerung von insgesamt 76 vorwiegend impressionistische Kunstwerke einen Erlös von insgesamt 330,56 Millionen Dollar. afp/AZ