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Prozessauftakt im Mordfall Dennis: Mutmaßlicher Maskenmann ab 10. Oktober vor Gericht

Prozessauftakt im Mordfall Dennis

Mutmaßlicher Maskenmann ab 10. Oktober vor Gericht

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    Hat drei Morde gestanden: der Pädagoge Martin N.
    Hat drei Morde gestanden: der Pädagoge Martin N. Foto: Foto: dapd

    Der Maskenmann kam nachts. Er drang in Bremer Wohnhäuser ein, setzte sich an das Bett von Jungen, während die Eltern nebenan schliefen. In Schullandheimen trug er Kinder aus den Betten, missbrauchte sie, fotografierte sie nackt. Manchem Kind wurde am nächsten Tag nicht geglaubt. "Eine solche Dreistigkeit eines Täters hat keiner für möglich gehalten", sagt der Sprecher der Soko Dennis, Jürgen Menzel. Dreimal soll Martin N. gemordet haben: 1992 Stefan J., 1995 Dennis R. und 2001 Dennis K.. Ab 10. Oktober muss sich der 40-jährige Pädagoge vor dem Landgericht Stade verantworten.

    Zum Auftakt werden auch die Eltern der getöteten Jungen kommen, sie sind Nebenkläger im Verfahren. Die Mutter von Dennis K., der mit neun Jahren aus dem Schullandheim Wulsbüttel verschleppt und ermordet wurde, sei inzwischen gefestigt genug, um den Prozess durchstehen zu können, sagt ihre Anwältin Monique Radtke. "Wäre der Täter schon vor zehn Jahren gefasst worden, wäre die Mutter nicht zum Prozess gekommen", betont sie. Heute habe die Familie ihr Leben wieder im Griff.

    Auch der Vater von Dennis R. wird den Prozess verfolgen. Der Achtjährige war aus einem Zeltlager in Schleswig-Holstein verschleppt und später tot in Dänemark gefunden worden. Der Vater glaube der Aussage von Martin N. nicht, dieser habe den Jungen nicht missbraucht, sagt Opfer-Anwalt Johannes Giebeler.

    Eltern der Opfer erwarten Aufklärung

    Der Angeklagte habe bei der Polizei behauptet, der Achtjährige sei freiwillig mitgegangen. Er habe mit ihm in Dänemark Urlaub gemacht, ihm Spiele gekauft und sei mit ihm Eis essen gegangen. Anschließend habe er den Jungen aber nicht einfach zurückbringen können und habe ihn deshalb getötet. "Die Eltern erwarten Aufklärung und werden belogen", sagt Giebeler. "Dadurch werden sie noch mal zum Opfer."

    Auch der Vater von Stefan J. bezweifelt die Ehrlichkeit des angeklagten Pädagogen. Der Vater habe schon früh einen Zusammenhang zwischen den Morden an seinem Sohn und dem an Dennis R. drei Jahre später erkannt, sagt Giebeler. Deshalb habe der Vater sich damals an ihn gewandt. Als er die Akten studierte, habe sich der Verdacht für ihn bestätigt, sagt Giebeler. "Man muss dafür kein Profiler sein." Beide Leichen wurden im Sand vergraben, beide waren gefesselt und unbekleidet, beide wurden nachts aus einer geschützten Einrichtung geholt. "Da kann man nicht sagen: Das ist reiner Zufall", sagt Giebeler.

    Die Polizei sah aber erst nach dem Tod von Dennis 2001 Parallelen zwischen den Morden und zu den Missbrauchsfällen in Schullandheimen, Zeltlagern und Wohnhäusern in Norddeutschland ab 1992. Kritik daran lässt der Sprecher der Soko Dennis, Menzel, jedoch nicht gelten. Mit dem Wissen von heute sei "alles klar". In den 1990er Jahren lag eine Verbindung der Taten nicht auf der Hand.

    Taten mit Coolness ausgeführt

    Über 9.000 Spuren verfolgte die Soko Dennis. Den entscheidenden Hinweis zum Ergreifen des mutmaßlichen Täters gab ein Zeuge, der 1995 als Kind in seinem Elternhaus von einem maskierten Unbekannten missbraucht worden war. Er erinnerte sich nun an einen Betreuer einer Freizeit, dem er aufmalen sollte, wo sein Kinderzimmer im Haus liegt und der ihn fragte, wann wer zu Hause ist. Es sei erstaunlich, "mit welcher Coolness" der mutmaßliche Täter stets vorgegangen sei, sagt Menzel.

    Ob der ehemalige Lehramtsstudent Martin N. auch für die Morde an dem elfjährigen Nicky in den Niederlanden 1998 und an dem zehnjährigen Jonathan 2004 in Frankreich verantwortlich ist, bleibt unklar. "Es besteht nach wie vor der Tatverdacht", sagt Staatsanwalt Kai Thomas Breas. "Es ist aber fraglich, ob wir ihm das noch nachweisen können." Martin N. bestreitet die Taten.

    Hinweise auf eine mögliche Täterschaft könnte ein Bewegungsprofil des Angeklagten geben. Allerdings wird es zur Fertigstellung noch Monate dauern. "Das ist extrem aufwendig", sagt Breas. Doch schon die drei Morde und die ihm vorgeworfenen 20 Missbrauchsfälle könnten den Angeklagten ein Leben lang hinter Gitter bringen. Ein psychologisches Gutachten wird Auskunft über die Schuldfähigkeit und die Gefährlichkeit des zuletzt in Hamburg lebenden Mannes geben. dpa/AZ

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