3 – 8 – 11 – 26 – 32 – 40: Sechs Richtige im Lotto! Und es gibt keinen einzigen Cent dafür. Doris Wöppel aus Tauberbischofsheim (Baden-Württemberg) hat es durchlitten und ist dennoch nicht am Boden zerstört. Sie macht gerade Urlaub im eigenen Häuschen auf Gran Canaria, freut sich, dass die Sonne scheint und es beinahe 30 Grad warm ist.
Aber ganz verarbeitet hat sie die größte Panne in der Geschichte des Mittwochslottos nicht. „Seit 32 Jahren spiele ich Lotto“, sagt die 67-Jährige. „Dann habe ich einmal sechs Richtige und die Ziehung wird annulliert. Was hat das denn für eine Bedeutung?“
Ein böser Traum, der die Geschäftsfrau aber nicht schockiert
Pannen beim Lotto
Pannen bei der Ziehung der Glückszahlen sind selten.
Mai 2005: «Lotto-Fee» Franziska Reichenbacher verlas in der ARD die falsche Lotto-Zusatzzahl.
Bei der Ziehung ging noch alles glatt. Auch die Zusatzzahl 18 wurde korrekt gezogen und verkündet.
Doch als die ganze Zahlenreihe am Ende der Sendung noch einmal eingeblendet wurde, war als Zusatzzahl die 8 zu lesen, die Reichenbacher auch vorlas.
Die Panne wurde mit einem technischen Problem erklärt: Der Computer, in den sonst die Zahlen eingegeben werden, war ausgefallen.
So mussten die Zahlen ausnahmsweise von der Regie eingegeben werden, wobei der Fehler passierte, der bei Lotto-Spielern für große Verwirrung sorgte.
Sommer 2002: Bei der Ziehung der Nordwestdeutschen Klassenlotterie (NKL) fehlten vom 12. Juli bis 6. September gleich 20 von insgesamt 100 Kugeln in einer Lostrommel.
Das Missgeschick passierte, nachdem die echten Kugeln aus der Trommel für einen Film gegen «schönere» getauscht wurden.
Nach den Dreharbeiten vergaßen NKL-Mitarbeiter aber beim Wiederbeladen der Trommel 20 Kugeln im Tresor.
Der Fehler wurde erst Wochen später bemerkt. Laut NKL ist «keinem dadurch Leid entstanden.» Die entsprechenden Gewinne seien öffentlich und unter staatlicher Aufsicht nachgezogen worden.
Juli 2002: Bei der Ziehung der Zahlen zum Mittwochslotto wurde wegen eines Defekts an der Lotto-Trommel die Ausspielung unterbrochen.
Nach der Ziehung der ersten drei Zahlen «ist die Maschine kaputt gegangen», sagte ein ZDF-Sprecher.
Mit einem Ersatzgerät wurde die Ausspielung unter der Aufsicht von zuständigen Beamten fortgesetzt. Die Zahlen wurden dann verspätet bekannt gegeben.
Februar 1999: Bei der Lotto-Ziehung zum «Spiel 77» zerbrach bei der letzten Ziffer noch im Mischbehälter die Kugel mit der «6», kurz bevor die «9» gezogen wurde.
Deshalb musste die letzte Zahl in einer Ersatzmaschine neu gezogen werden.
In der Nachziehung fiel dann die «8» statt der «9». Pech für Tipper, die die «9» angekreuzt hatten: Sie gingen leer aus. «Das ist völlig rechtmäßig, das war sozusagen höhere Gewalt», hieß es bei Lotto Hessen.
Mai 1984: Beim Mittwochslotto im ZDF versagte die auf «mechanisch- pneumatischer Basis» arbeitende Lostrommel.
Der Glaskörper, durch den Zahlenbälle per Luftdruck geblasen werden, wollte einfach die sieben Kugeln nicht herauslassen.
Das bedeutete Verschiebung der Ziehung, Verärgerung bei den Zuschauern, Stunden später die Einblendung der Zahlen ins laufende Programm und - für alle Zweifler - eine Aufzeichnung der letztlich doch gelungenen Ziehung nach der letzten heute-Sendung um 0.20 Uhr.
Verantwortlich für die Panne war laut Hessischer Lottozentrale ein kurzfristiger Spannungsausfall. Deshalb habe sich beim ersten Mischvorgang der Schieber für den «Auslass» der Kugeln nicht geöffnet. Ein Ersatzgerät musste her.
Doris Wöppel ist irritiert, aber nicht schockiert. Die Geschäftsfrau führt seit 1986 den „Grünen Baum“ in Tauberbischofsheim-Dittigheim, ein Aushängeschild tauberfränkischer Lebensart. Am vergangenen Mittwoch kontrolliert die Wirtin erst spät abends im Computer die Lottozahlen. „Wie ein Traum, ja doch, ein böser Traum“, sei es gewesen, erzählt sie am Telefon.
Auf den ersten Blick hat sie gesehen, dass alle sechs Zahlen (der ersten Ziehung) mit einer Tippreihe auf ihrem Wettschein identisch sind. „Mindestens vier davon hab’ ich doch immer getippt“, sagt sie. Einen Wimpernschlag später ist ihr klar, dass etwas nicht stimmt. Zu dieser späten Stunde ist auch eingeblendet, dass die erste Ziehung wegen eines technischen Defekts ungültig gewesen ist. Der „Sechser im Lotto“ ist futsch.
Die Momente des Entsetzens bleiben ihr erspart
Doris Wöppel hat keine Zeit zur Freude, keine Zeit zur Hoffnung auf den Lottogewinn, keine Zeit für Gedanken, wie hoch die Summe sein würde und wie sie das Geld ausgeben könnte. Wenigstens bleiben ihr die Momente des Entsetzens, des Am-Boden-zerstört-Seins erspart.