Auf Naschereien nicht verzichten und trotzdem eine schlanke Linie behalten? Klingt zu schön um wahr zu sein. Eine Alternative zu den umstrittenen oftmals chemisch hergestellten Süßstoffen könnte in Zukunft die Pflanze Stevia sein. Seit Jahrhunderten benutzen die Ureinwohner Südamerikas das "Honigkraut" dazu, ihre Speisen zu süßen. Seit Ende des vergangenen Jahres darf Stevia auch in der EU als Süßungsmittel in Lebensmitteln verarbeitet werden.
Unternehmen wie Coca Cola forschen bereits mit Stevia
Seit Jahren sind die chemisch hergestellten Süßungsmittel wie Saccharin oder Sucralose sehr umstritten, da ihnen nachgesagt wird, das Krebsrisiko zu erhöhen. Zwar ist dies nicht bewiesen, aber der Verdacht hält sich hartnäckig. Zudem sollen sie appetitanregend sein und somit Übergewicht begünstigen.
Der Wissenschaftler Udo Kienle von der Universität Hohenheim begrüßt die EU-Zulassung von Stevia-Süßstoffen in Lebensmitteln. Der Experte sieht "enormes Zukunftspotential", obwohl in den Lebensmitteln erstmal nur geringe Mengen von Stevia verwendet werden dürfen.
Schon jetzt forschen große Unternehmen wie Coca Cola mit Stevia. Die Lebensmittelindustrie setzt große Erwartungen in die Pflanze. In den vergangenen Jahren ist das Gesundheitsbewusstsein der Menschen gestiegen. Bio-Produkte sind auf dem Vormarsch und viele Verbraucher achten mehr auf eine gesunde Ernährung. In der pflanzlichen Alternative zu chemischen Süßstoffen sehen die Unternehmen eine Möglichkeit, Produkte zu schaffen, mit denen der Verbraucher auf nichts verzichten muss und sich trotzdem gesund ernährt.
Der 400-fache Süßungseffekt von Zucker
Stevia kann den 400-fachen Süßungseffekt haben von Zucker. Allerdings komme es Udo Kienle zufolge auf die richtige Herstellungsart an. Außerdem müsse weiterhin erforscht werden, wie sich Stevia in Verbindung mit anderen Lebensmitteln verhalte. Bisher wird es vor allem dazu verwendet, den Zuckeranteil in Lebensmitteln zu senken, maximal 30 Prozent sind erlaubt. Dr. Thomas Hofmann von der Technischen Universität München verriet im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt, dass sich beispielsweise der "Zuckeranteil eines Getränks von zwölf auf zwei Prozent" reduzieren lasse.
Experten warnen bei Diabetes
Bei allen Vorteilen, die für eine Verwendung von Stevia in der Lebensmittelbranche sprechen, gilt jedoch auch Vorsicht. Der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) warnt Diabetiker davor, zuviele Produkte zu essen, die mit der Pflanze gesüßt wurden. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass solche Lebensmittel, wie auch solche mit herkömmlichen Zucker oder Süßstoffen, unbedenklich sind. Betroffene sollten allgemein beim Essen nur selten "sündigen", ganz egal mit welchem Mittel die Produkte gesüßt wurden.
Kinder haben die Tageshöchstdosis schnell erreicht
Verbraucherschützer warnen zudem davor, zuviel Stevia zu sich zu nehmen. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eine tägliche Höchstdosis von vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht als unbedenklich eingestuft. Doch vor allem Kinder haben die Tageshöchstdosis schnell überschritten. Eltern sollten daher beim Einkauf auf Lebensmittel mit der Zusatzstoffbezeichnung "E 960" achten. Darin ist Stevia enthalten. mit dpa