Auf der Baustelle von "Stuttgart 21" seien bei den Randalen am Montag etliche Baustellenfahrzeuge teilweise stark beschädigt worden, berichtete die Polizei. Demnach wurden Reifen zerstochen, Radmuttern abmontiert, Sand und Steine in die Benzintanks gefüllt, unzählige Kabel und Schläuche abgerissen sowie Wasserrohre zerstört.
Die Polizei prüft zudem eine Anzeige wegen versuchten Totschlags gegen Demonstranten, die einen 42 Jahre alten Beamten schwer verletzt haben sollen. Zudem wird derzeit geprüft, ob drei der Besetzer im Laufe des Dienstags einem Haftrichter vorgeführt werden. Insgesamt wurden den Angaben zufolge 16 Personen vorläufig festgenommen.
Nach Darstellung der Initiative "Parkschützer" hat es bei der Erstürmung der Stuttgart-21-Baustelle dagegen keine Gewalt gegen Polizisten gegeben. "Die Polizei fantasiert, dramatisiert und kriminalisiert, um einen Keil in den Widerstand zu treiben", sagte der Sprecher der Aktivistengruppe, Matthias von Herrmann, am Dienstag in Stuttgart. Den Bericht der Polizei über einen schwer verletzten Zivilbeamten wies von Herrmann zurück. Der Beamte sei von Demonstranten aus der Menge geführt worden, und zwar unverletzt. Von einer feindseligen Stimmung gegen die Beamten könne keine Rede sein.
Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) rief am Dienstag erneut zur Besonnenheit auf. "Eine Stärke des Protests war, dass er konsequent gewaltfrei war", sagte Hermann dem Sender SWR 1. Die Bahn habe mit dem Weiterbau allerdings Ratschläge missachtet, bis zum Stresstest im Juli keine weiteren Fakten zu schaffen. Doch auch die Fortsetzung der Bauarbeiten könne Gewalt nicht rechtfertigen, sagte der Minister.
Einstweilige Anordnung gegen Stuttgart 21-Bau beantragt
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Baden-Württemberg hat am Dienstagmorgen beim Verwaltungsgericht Stuttgart eine einstweilige Anordnung gegen den Weiterbau des Bahnprojekts "Stuttgart 21" beantragt. Der Eilantrag richtet sich gegen das Eisenbahn-Bundesamt. Es soll der Deutschen Bahn anordnen, alle weiteren Baumaßnahmen mit sofortiger Wirkung zu untersagen, sagte BUND-Landesgeschäftsführer Berthold Frieß. AZ