Beim nächsten Tatort steht Lena Odenthal im Wald. Und bald im Mittelpunkt einer Hetzjagd. Von Daniela Deeg
Allein im dunklen Wald: keine schöne Vorstellung, auch nicht für die erfahrene Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts). Als ein Ast hinter ihr knackt, ist es auch kein Reh, sondern eine Gruppe junger Straftäter, die Frau Odenthal in ihre Gewalt bringt. Damit beginnt der Ludwigshafener „Tatort – Der Wald steht schwarz und schweiget“ der am kommenden Sonntag ausgestrahlt wird. Der Krimi fesselt den Zuschauer fast über die ganze Zeit mit Spannung, ungewöhnlich viel Action und einer besonderen psychologischen Perspektive.
Dabei hat der Tag für die Kommissarin eigentlich angenehm begonnen. Odenthal hat ausnahmsweise frei und so weigert sie sich, im Pfälzer Wald nach der Leiche zu suchen, die eine Pilzsammlerin am Fuße des Teufelskopfs entdeckt hat. Doch ihrem Kollegen Mario Kopper (Andreas Hoppe) kann sie den Gefallen nicht abschlagen und so erwacht sie mit einer dicken Beule am Kopf, verbundenen Augen, bedroht mit ihrer eigenen Dienstwaffe.
Schnell wird klar, dass die fünf Jungs etwas mit der verschwundenen Männerleiche zu tun haben. Tom, Sascha, Murat, Panne und Baby beschließen zu fliehen und nehmen die Polizistin mit. Kopper schicken sie zunächst auf eine falsche Fährte.
Odenthal muss ihm sagen, dass alles in Ordnung ist. Dabei schafft sie es allerdings ein Codewort unterzubringen, das ihren Kollegen darauf bringt, dass sie als Geisel festgehalten wird. Die fünf jungen Männer sind unberechenbar und haben nichts zu verlieren. Mit Handschellen gefesselt zwingen sie die Polizistin Odenthal ihnen durch das größte Waldgebiet Deutschlands zu folgen. Dunkel und tief wie der Wald sind auch die menschlichen Abgründe, die sich auf dem Weg auftun.
Der Zuschauer begreift schnell, dass die Gruppe den Tod des Mannes am Teufelskopf zu verantworten hat. Doch die Frage nach dem Warum hält ihn dennoch vor dem Bildschirm. Denn die jungen Männer sind offensichtlich keine Freunde. Jeder der fünf Charaktere ist in sich stimmig, auf seine Art interessant, aber auch gefährlich.
Dass die Kommissarin auch als Geisel nie wirklich die Kontrolle über die Situation verliert und sie sogar noch in der Lage ist, zu ermitteln, wirkt unrealistisch. Allerdings wird ihre Professionalität wieder plausibel, wenn die gute Seele des Kommissariats, Frau Keller (Annalena Schmidt) in schönstem Badisch sagt: „Solang geredt wird, wird net gschossa.“ Die „Tatort“-Folge lässt erahnen, wie es zwischen Geisel und Geiselnehmer zu einer menschlichen Beziehung mit emotionalen Abhängigkeiten kommen kann.
Auf der anderen Seite steht Mario Kopper als Getriebener. Er
macht sich Vorwürfe, weil er seine Kollegin gegen ihren Willen in diese
Situation gebracht hat. Das heizt die Motivation
des Ermittlers an und verstärkt die Geschichte um
das tragische Moment. Der Spannungsbogen reicht sowieso bis zum Ende und sogar
darüber hinaus. Denn nach diesem Tatort können die
Fans beim Onlinespiel „Tatort+“ weiter ermitteln und die Frage beantworten, die
offenbleibt: Wer der fünf Männer ist der Mörder im Wald? AZ
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