Wird es ab heute mehr Klarheit für die Öffentlichkeit im Fall der abgestürzten Air France-Maschine geben? Gut zwei Jahre ist es her, dass das Flugzeug bei einem Unwetter über dem Atlantik abstürzte. 228 Menschen kamen dabei ums Leben. An Bord waren auch 28 Deutsche. Am heutigen Freitag wollen die französischen Behörden einen Untersuchungsbericht zum Absturz der Air-France-Maschine vorlegen. Darin sollen die genauen Umstände des Flugzeugunglücks offengelegt werden.
Innerhalb von dreieinhalb Minuten soll das Flugzeug der Air France in einer Schlechtwetterfront abgestürzt sein. Das ergab eine erste Auswertung des Stimmenrekorders. Erste Ermittlungen hatten ergeben, dass die Geschwindigkeitssensoren nicht richtig funktionierten. Das allein kann aber laut Experten den Absturz nicht erklären. Gegen die Fluggesellschaft Air France und den Flugzeugbauer Airbus laufen Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung.
Todesflug der AF 447: Opfer-Angehörigen sind empört über Informationspolitik
Die schleppende Bekanntgabe der Untersuchungsergebnisse zum rätselhaften Todesflug AF 447 über dem Atlantik mit 228 Toten stößt auf Empörung und Kritik der Opfer-Angehörigen. Die für den heutigen Freitag geplante Veröffentlichung eines weiteren Zwischenberichts der Unfallermittlungsstelle BEA setze deren "Salami-Taktik" bei der Veröffentlichung von Information fort, heißt es in einer Erklärung der Opfervereinigung HIOP AF447. Zudem lasse sie Zweifel an den Zielen der französischen Behörde zur Aufklärung der Katastrophe aufkommen. Sie fordern daher die sofortige Offenlegung der aufgezeichneten Daten, damit die französische Justiz eine unabhängige Untersuchung einleiten könne.
Wörtlich betonen die Verfasser der Erklärung: "Vielmehr wird die Öffentlichkeit in zunehmendem Umfang auf einen Pilotenfehler als ursächlich vorbereitet (...). Diese von der BEA verfolgte Theorie wird bereits bisher mit willkürlich ausgewählten Sprachaufzeichnungen unterlegt. Die Hinterbliebenen halten dieses Vorgehen für empörend." Ein eventuelles Fehlverhalten der Piloten könne zudem nur beurteilt werden "unter Würdigung ihres vorausgegangenen und dokumentierten Trainings sowie der zum Unfallzeitpunkt veröffentlichten Handlungsanweisungen für den Fall eines manifestierten Strömungsabrisses des Flugzeugs".
Bisher jedoch sei die Fluggesellschaft Air France den Nachweis schuldig geblieben, dass ein Systemausfall in großen Höhen im Trainingsprogramm ihrer Piloten enthalten war. Auch sei die Möglichkeit eines Softwarefehlers im elektronischen Steuerungssystem des Airbusses nicht berücksichtigt worden. Nach bisheriger BEA-Darstellung zogen die Piloten das Flugzeug nach dem Ausfall der Geschwindigkeitsmesser in fataler Weise nach oben.
Noch am Donnerstag hatte ein Airbus-Testpilot die Cockpit-Crew der Unfallmaschine kritisiert. "Die Besatzung hat nicht das vom Flughandbuch vorgeschriebene Verfahren angewandt", betonte Fernando Alonso. Die Piloten hätten die Maschine nach einem Warnsignal doppelt so steil wie vorgeschrieben nach oben gezogen, erklärte der Leiter der Airbus-Testflüge dem französischen Magazin "Le Point".
Die französischen Ermittler wollen sich am Freitag mit einer ersten Analyse des Unfallhergangs äußern. Sie stützen sich dabei auf Erkenntnisse aus der Auswertung der Flugdatenschreiber des Unglücksflugzeugs. Nach ihrer Bergung aus 4000 Metern Meerestiefe waren die letzten Minuten des Fluges rekonstruiert worden. Demnach war der Airbus am 1. Juni 2009 auf dem Nachtflug Rio-Paris in rund vier Minuten aus 11 500 Metern Höhe ins Meer gestürzt. Alle 228 Menschen an Bord starben, darunter 28 Deutsche. Die BEA hat bisher die Umstände des Unfalls nachgezeichnet, sich mit einer Antwort zur Frage nach der Verantwortung für das Unglück aber zurückgehalten.
Airbus und Air France wurden mehrfach einer Mitschuld an dem Unglück verdächtigt. Gegen sie laufen Ermittlungen der französischen Justiz. dpa