Von Mariele Schulze Berndt
Wien. Jetzt ist es raus: Der Kärntner Landeshauptmann und Rechtspopulist Jörg Haider war völlig betrunken, als er in der Nacht zum Samstag mit 142 Stundenkilometern in einem Tempo-70-Bereich die Gewalt über seinen Dienstwagen verlor und tödlich verunglückte. Stefan Petzner, sein ehemaliger Sprecher und Nachfolger als Vorsitzender der rechten Partei Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ), bestätigte gestern, dass Haider 1,8 Promille im Blut hatte.
Beide waren bis nach Mitternacht auf einer Party in einer Villacher Nobel-Diskothek gewesen. Dort war ein neues Society-Magazin vorgestellt worden. Nachdem nun auch Haiders Alkoholisierung an dem Abend bekannt geworden ist, fordert Petzner die Medien auf, "jetzt und hier die Stopptaste zu drücken und die Berichterstattung betreffend des Unfalles abzuschließen".
Die Tatsache, dass Haider alkoholisiert war - er hatte 1,8 Promille im Blut -, als er am Steuer seines Wagens ins heimatliche Bärental raste, hat wahrscheinlich auch versicherungsrechtliche Konsequenzen. Die Versicherung für den geleasten VW Phaeton V 6 (240 PS) deckte zwar "grobe Fahrlässigkeit" ab, nicht aber eine Fahrt unter Alkoholeinfluss. Nun muss geklärt werden, wer für den Schaden aufkommt.
Grundsätzlich gehen die Österreicher lockerer mit dem Thema Alkohol am Steuer um, als etwa die Deutschen. Strafverfahren werden nur eröffnet, wenn es zu einem Unfall kommt. Ansonsten werden ab 1,5 Promille ein amtsärztliches Gutachten und der Besuch einer Nachschulung verlangt. Außerdem kann der Führerschein vier Wochen lang entzogen werden.
In Klagenfurt brennen derweil immer noch Tausende von Kerzen. Menschen warten in langen Schlangen vor den Kondolenzbüchern, um dort niederzuschreiben, was sie dem verstorbenen Landeshauptmann von Kärnten zu verdanken glauben. Vor allem seine sozialpolitischen Maßnahmen, wie kostenlose Kindergartenplätze, werden immer wieder erwähnt.
Am Samstag wird in Klagenfurt ein Staatsbegräbnis stattfinden, bei dem Bundespräsident Heinz Fischer die Hauptansprache hält. Die Urne soll auf dem Grundstück der Familie im Bärental beigesetzt werden. 30.000 Trauergäste aus allen Teilen Österreichs werden erwartet. In Italien werden ebenfalls Busreisen organisiert. Zahlreiche Ehrengäste, zum Beispiel Said Gaddafi, der Sohn Muhammed Gaddafis, haben ihr Kommen angekündigt. Aufgrund der Kommunikation rechtsextremer Gruppen im Internet befürchten manche, dass radikale Gruppen in Klagenfurt aufmarschieren wollen.
Haiders Schwiegersohn erklärte auf einer italienischen Website, die Familie wolle nicht, "dass das Begräbnis von Extremisten mit rassistischen Ideologien instrumentalisiert wird. Es gibt keinen Platz für nostalgische Grüße."