"Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass die Steuerungsfähigkeit wegen des Alkoholkonsums erheblich vermindert gewesen sein könnte", erklärte eine Fachärztin am Dienstag vor dem Berliner Landgericht.
Der abgenommene Blutwert von mehr als drei Promille spreche für eine deutliche Intoxikation, so die Expertin. Für eine Persönlichkeitsstörung zur Tatzeit habe sie keine Anhaltspunkte finden können. Die Gutachterin empfahl, wegen Reifeverzögerungen das Jugendrecht anzuwenden.
Berliner U-Bahn-Schläger: "So viel Alkohol wie noch nie getrunken"
Der 18-Jährige Gymnasiast hatte den brutalen Angriff vom Ostersamstag auf sein zufällig ausgewähltes Opfer gestanden. Der Schüler hatte einen damals 29-jährigen Handwerker im U-Bahnhof Friedrichstraße mit einer Flasche niedergeschlagen und danach mit vier Fußtritten gegen den Kopf traktiert. Er steht nun wegen versuchtem Totschlag vor Gericht. Selbst bezeichnete er seine Tat als "Schweinerei", für die es keine Entschuldigung gebe.
Der schwer betrunkene junge Mann ließ erst von seinem Opfer ab, als der aus dem Nördlinger Ries stammende Georg Baur, der ebenfalls an der U-Bahnstation wartete, eingriff und ihn von dem verletzten 29-Jährigen Handwerker wegzerrte. Für seinen mutigen Einsatz wurde Georg Baur ausgezeichnet.
Nach eigenen Angaben hatte der Berliner vor der Tat so viel Alkohol wie noch nie zuvor im Leben getrunken. Eine Blutprobe liegt nicht vor, da der Schüler sich erst einen Tag nach der Tat stellte. Die Anklage geht von einem Wert von 3,11 Promille aus. Eine durch den Alkohol hervorgerufene Enthemmung sieht die Gutachterin im Verhalten des 18-Jährigen bestätigt. Er habe zuvor im Gleisbett mit Steinen um sich geschmissen.
Das inzwischen 30-Jährige Opfer erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Nasenbeinbruch und Prellungen. Der Mann leidet bis heute psychisch an den Folgen des Überfalls. Auch der Angeklagte litt nach Angaben der Expertin nach der Tat an depressiven Störungen. Bei ihren Untersuchungen habe der Schüler "verzweifelt und hoffnungslos gewirkt". Er sei latent suizidgefährdet gewesen. dpa/AZ