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Afghanistan: Über 50 Tote bei Anschlägen auf Schiiten in Kabul

Afghanistan

Über 50 Tote bei Anschlägen auf Schiiten in Kabul

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    In Kabul sprengte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft und in Stadtzentrum von Masar-i-Scharif war ein Sprengsatz an ein Fahrrad angebracht.
    In Kabul sprengte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft und in Stadtzentrum von Masar-i-Scharif war ein Sprengsatz an ein Fahrrad angebracht. Foto: dapd

    Einen Tag nach der Bonner Afghanistan-Konferenz sind am Dienstag bei zwei Anschlägen in Afghanistan mindestens 58 Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben der Behörden gab es allein in der Hauptstadt Kabul 54 Tote, unter ihnen Kinder. Deutschland und Afghanistan streben über den für 2014 vorgesehenen Abzug aller ausländischen Kampftruppen aus Afghanistan hinaus ein Partnerschaftsabkommen an.

    In Kabul sprengte sich ein Selbstmordattentäter vor einem wichtigen schiitischen Heiligtum in die Luft, wo sich zahlreiche Gläubige zu einer Prozession aus Anlass des schiitischen Aschura-Festes versammelt hatten. Wie ein Sprecher des afghanischen Gesundheitsministeriums unter Berufung auf Krankenhäuser der Hauptstadt mitteilte, wurden bei dem Anschlag zudem 150 Menschen verletzt. Aus Sicherheitskreisen verlautete, der Attentäter sei offenbar zusammen mit einer Gruppe schiitischer Pilger aus der Provinz Logar südlich von Kabul in die Hauptstadt gekommen.

    Bei einem weiteren Anschlag vor einem Schiiten-Heiligtum im Stadtzentrum von Masar-i-Scharif im Norden des Landes wurden nach Polizeiangaben mindestens vier Menschen getötet und vier weitere verletzt. Der Anschlag wurde durch einen an einem Fahrrad angebrachten Sprengsatz ausgelöst.

    Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand. Die sunnitischen Taliban verurteilten die Anschläge in einer Erklärung "mit Entschiedenheit". Die Anschläge auf "unschuldige Landsleute" widersprächen dem Islam. Dafür verantwortlich sei der "feindliche Invasor", der "Terror, Misstrauen und Hass" unter Afghanen säen wolle und einen Vorwand suche, um noch länger im Land zu bleiben.

    Die Schiiten machen in Afghanistan etwa ein Fünftel der Bevölkerung aus. Während der Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 durften sie das Aschura-Fest nicht feiern. Mit den Aschura-Prozessionen, bei denen sich die Gläubigen als Zeichen der Trauer öffentlich geißeln, erinnern die schiitischen Muslime an den Tod des Enkels des Propheten Mohammed, Imam Hussein. Das zehn Tage dauernde Aschura-Fest, eines der wichtigsten schiitischen Feste, wurde in Afghanistan auf seinem Höhepunkt am Dienstag als Feiertag begangen.

    Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte die Anschläge "auf das Schärfste" und zeigte sich "zutiefst erschüttert" über die vielen Opfer. Auch "schmerzliche Rückschläge" wie diese würden die internationalen Gemeinschaft nicht davon abbringen, "den friedlichen Weg der weiteren Stabilisierung und des Aufbaus des Landes fortzusetzen".

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekundete dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai ihr Beileid. Sie sagte nach einem Treffen mit Karsai in Berlin, die Ereignisse zeigten, "wir müssen weiter hart arbeiten, um die Sicherheit in Afghanistan gewährleisten zu können".

    Merkel und Karsai kündigten zugleich an, ihre Zusammenarbeit über 2014 hinaus in einem Partnerschaftsabkommen regeln zu wollen. Die Kanzlerin nannte in diesem Zusammenhang das Training der afghanischen Sicherheitskräfte und die Erschließung der Rohstoffe des Landes, also den "fairen Zugang Afghanistans zu seinen eigenen Ressourcen". Deutschland fühle sich "für das Schicksal Afghanistans verantwortlich" sowohl durch das "militärische Engagement", aber auch durch wirtschaftliche Zusammenarbeit und durch "Unterstützung beim politischen Versöhnungsprozess". afp

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