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Schwedt: Wegen Rassismus: Ausländerbeauftragter kapituliert

Schwedt

Wegen Rassismus: Ausländerbeauftragter kapituliert

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    Der Rechtsanwalt Andreas Brandt (3.v.r.) steht am Donnerstag (07.07.11) in Schwedt in seiner Kanzlei und begruesst die anwesenden Journalisten zu einem Pressegespraech. Der Anwalt vertritt den ehemaligen Auslaenderbeauftragten der Stadt Schwedt, Ibraimo Alberto, der aus Angst vor Uebergriffen seine Aemter niedergelegt und die Region verlassen hatte. Im Vordergrund sitzt die Frau Albertos, die weder namentlich genannt werden noch erkennbar Fotografiert werden moechte. (zu dapd-Text)
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dapd
    Der Rechtsanwalt Andreas Brandt (3.v.r.) steht am Donnerstag (07.07.11) in Schwedt in seiner Kanzlei und begruesst die anwesenden Journalisten zu einem Pressegespraech. Der Anwalt vertritt den ehemaligen Auslaenderbeauftragten der Stadt Schwedt, Ibraimo Alberto, der aus Angst vor Uebergriffen seine Aemter niedergelegt und die Region verlassen hatte. Im Vordergrund sitzt die Frau Albertos, die weder namentlich genannt werden noch erkennbar Fotografiert werden moechte. (zu dapd-Text) Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dapd Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

    Der Ausländerbeauftragte von Schwedt  Ibraimo  Alberto verlässt die Stadt. Lange hatte sich der Mosambiker unter anderem für die Integration der Ausländer in der Oder-Stadt in der Uckermark engagiert. Doch er kapitulierte. Wegen rassistischen Beleidigungen gegenüber seiner Person. Über seinen Anwalt erneuerte er gestern die Vorwürfe.

    Der Schritt des Ausländerbeauftragten sorgt in Schwedt für Aufruhr. Bei Bürgermeister Jürgen Polzehl (SPD) stehen die Telefone nicht mehr still. Für Bürgermeister Polzehl sind die Anwürfe unverständlich. "Ibraimo Alberto hatte sich bei mir verabschiedet und gesagt, er  hätte eine neue Arbeitsstelle in Süddeutschland gefunden", sagte das Stadtoberhaupt im Schwedter Rathaus. Er habe bedauert, dass der  Ausländerbeauftragte die Stadt verlässt und ihm viel Glück  gewünscht. "Wir haben uns zum Abschied umarmt."  

    Doch von einem Abschied in Harmonie ist nicht die Rede, wenn man Albertos Rechtsanwalt Andreas Brandt hört. Dieser hat im Auftrag seines Mandanten zu einer Pressekonferenz eingeladen. "Ibraimo Alberto verlässt Schwedt zu 80  Prozent wegen rassistischer Beleidigungen und weil er sich zu wenig in  seiner Tätigkeit als Ausländerbeauftragter unterstützt fühlte",  erklärte Brandt.   Albertos Ehefrau, die ebenfalls an der Pressekonferenz teilnahm, führte an: "Ich verlasse die Uckermark nicht gern, wir sahen aber wegen der fortgesetzten rassistischen Äußerungen und Angriffe keine  andere Möglichkeit mehr." Den  Ausschlag hätten Anpöbeleien im Umfeld eines Fußballspiels im März gegeben. Alberto habe gesagt, er werde  älter, er wolle sich der Gefahr nicht mehr länger aussetzen.

    "Wir müssen auch an die Sicherheit unserer Kinder denken", erklärte sie. Der aus Mosambik stammende Alberto hatte 21 Jahre in  Schwedt gelebt, hier hatte er in den 90er Jahren eine beachtliche Karriere als Amateurboxer und später als Kommunalpolitiker  hingelegt. 2008 wurde er von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) mit dem  Preis "Botschafter für Demokratie und Toleranz" ausgezeichnet. 

    "Hier war er geachtet, aber hier war er auch ständigen Angriffen ausgesetzt. Natürlich mochte er den Bürgermeister und dieser mochte  ihn, aber im täglichen Leben begegnete er ständig einem latenten  Rassismus", sagte sein Anwalt. Eine Mandantin habe ihm berichtet,  dass sie mit dem Ausländerbeauftragten in einer Pizzeria in Schwedt gesessen habe und lange nicht bedient worden sei. Bis  der Wirt zu ihr gekommen sei und gesagt habe: "Warum schleppen Sie denn den mit  in unser Restaurant?" Brandt fügte hinzu, die Stadt Schwedt müsse  sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht  genug für die Integration ihrer ausländischen Bürger zu tun.

    Polzehl konterte: "Wir wissen, dass es Rechtsextreme in Schwedt  gibt, aber wir schauen bei rechtsextremen Straftaten nicht weg." Gegen den Täter, der Alberto bei dem Fußballspiel angepöbelt  habe, laufe mittlerweile ein Ermittlungsverfahren.  Unterstützung findet der Bürgermeister unter anderen beim Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung, Jochen Bismar (SPD). "Ich habe sehr eng mit Alberto zusammengearbeitet." Er habe sich in  der Fraktion wohlgefühlt. Bei seiner Verabschiedung habe er auch  keinerlei Andeutungen gemacht, dass er gehe, weil er es nicht mehr  aushalte. "Es war nur die Rede von einem neuen Job, den er in  Baden-Württemberg gefunden habe", merkte Bismar an.

    "Das stimmt, er hat sich in der SPD-Fraktion wohlgefühlt. Sonst wäre er vielleicht schon früher gegangen", entgegnete Brandt. "Aber auch die SPD-Fraktion hat es letztlich nicht vermocht, ihn zu  halten."dapd/AZ

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