Gottschalk-Nachfolger
Mit dem Schwiegersohn-Typ Markus Lanz will das ZDF den 30 Jahre alten Klassiker "Wetten, dass..?" modernisieren. Der neue Moderator soll die Show frischer und moderner gestalten. Eine Co-Produktion mit der privaten Produktionsfirma Mhoch2, die zur Hälfte Lanz gehört, soll es aber nicht geben. Das Unternehmen werde lediglich beratend tätig sein - ähnlich wie früher die Firma Dolce Media von Thomas Gottschalks Bruder Christoph, teilte ein Sprecher des ZDF mit.
Die angekündigte Winter-Ausgabe von "Wetten, dass..?" aus einem Skigebiet werde voraussichtlich nicht mehr dieses Jahr, sondern erst 2013 gesendet. Lanz soll nach ZDF-Planungen am 6. Oktober seinen Einstand geben.
Dabei will er "nicht alles besser, aber vieles anders" machen". Mit diesem Slogan ist Markus Lanz nach der Bekanntgabe seines Engagements als "Wetten, dass..?"-Moderator direkt in die Offensive gegangen. "An ganz vielen Schrauben" wolle er bei der Vorbereitung der ersten Sendung drehen. Dem 42-Jährigen bleibt auch gar nichts anderes übrig. Als bloßer Versuch einer Kopie von Thomas Gottschalk würde ihm ein Scheitern drohen.
Die erste Folge des neuen "Wetten, dass..?" soll Gerüchten nach aus Düsseldorf gesendet werden. In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt war die "Wetten, dass..? "-Show der alten Prägung tragisch zu Ende gegangen: Nach dem Unfall des seitdem gelähmten Wettkandidaten Samuel Koch dort im Dezember 2010 hatte nicht nur Thomas Gottschalk seinen Ausstieg als Moderator angekündigt. Das ZDF hatte zugleich beschlossen, in Zukunft auf spektakuläre Risikowetten zu verzichten. Dabei soll es auch mit Lanz bleiben.
Doch was kann das Publikum im Oktober und in den danach folgenden Shows erwarten? Auf jeden Fall wieder eine One-Man-Show wie zu den Anfängen unter Frank Elstner und später über viele Jahre hinweg mit Gottschalk: Nachdem Michelle Hunziker in den letzten gut zwei Jahren als Co-Moderatorin an der Seite Gottschalks arbeitete, will Lanz wieder alleine durch die Sendung führen.
Gottschalk-ähnliche Outfits wird der Zuschauer bei Lanz auf jeden Fall nicht mehr zu sehen bekommen: Der farbenfrohe Anzug steht wohl vor dem Aus. Lanz: "Thomas hat mir bis heute nicht die Adresse seiner Schneiderin gegeben. Ich bin mir aber auch nicht sicher, ob ich sie unbedingt haben möchte."
ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut hob in einer von dem Sender verbreiteten Erklärung Eigenschaften von Lanz hervor, die ihn nach seiner Einschätzung zum geeigneten Moderator der Wettshow machen. Lanz sei durch seine ZDF-Talkshow ein erfahrener Interviewer. Und er verspreche sich von ihm, dass er "Überraschung und mehr Improvisation" in die Show bringt. Diese Erwartung überrascht: Mit Lanz wird bislang ein charmantes Schwiegersohn-Image in Verbindung gebracht, als Improvisationskünstler galt Gottschalk.
Nach den Worten von ZDF-Sprecher Peter Gruhne ist noch nicht klar, wie "Wetten, dass..?" in Zukunft im Detail aussehen wird. Die prägenden Elemente aus prominenten Gästen, Wetten, Talk und Musik würden in jedem Fall bleiben. Im Gespräch ist, dass Lanz acht Shows pro Jahr macht statt der zuletzt sieben bei Gottschalk. Lanz sagte in einem vom ZDF verbreiteten Interview: "Ich freue mich sehr vor allen Dingen über die musikalische Dimension, die 'Wetten, dass..?' natürlich auch hat." Er mache selbst leidenschaftlich Musik. Aber wird die Sendung nun in Zukunft zu einer Art "Deutschland sucht den Superstar" mit Wetteinlagen? Wohl kaum. Das Publikum finde andere Dinge bei "Wetten, dass..?" wichtiger, sagt ZDF-Sprecher Gruhne. Mit Hilfe der Medienforschung solle an das "Feintuning" gegangen werden.
Für Lanz muss dies mit Sensibilität geschehen. "Es ist ja klar, dass - sage ich mal - dieses Haus renoviert werden muss, ohne diejenigen, die drin leben, zu verschrecken." Er glaube, dass es wieder "eine Sehnsucht gibt nach schöner Familienunterhaltung, wo man ohne Zynismus rangeht". Der Beweis dafür steht aber noch aus - in den vergangenen Jahren hatten eher die zweifelhaften Sprüche eines Dieter Bohlen junges Publikum gelockt, während "Wetten, dass..?" immer mehr Zuschauer verlor.
Gottschalk-Nachfolger Lanz startet also unter schwierigen Bedingungen - zumal er nach den Absagen von Hape Kerkeling und Jörg Pilawa nur dritte Wahl war. Ihn begleiten aber die besten Wünsche Gottschalks. "Denn ich gönne ihm jeden Erfolg", sagte die derzeit unter den miserablen Einschaltquoten seiner neuen ARD-Sendung leidende "Wetten, dass..?"-Legende. Lanz ist jedenfalls Realist genug zu sehen, was ihm bei einem Flop droht. "Ich habe neulich den schönen Satz gelesen: 'Wenn man als Berufswunsch Flutlicht angibt, muss man aufpassen, nicht als Glühwürmchen zu enden'."
Der österreichische Rundfunk ORF lobte die Verpflichtung von Lanz. "Wir freuen uns sehr für das österreichische Publikum", heißt es in einer Stellungnahme der Fernsehdirektorin Kathrin Zechner. Der gebürtige Südtiroler Lanz sei beim österreichischen Publikum "bekannt und beliebt". Im ORF/ZDF-Format "Wettlauf zum Südpol" sei er zwar Hermann Maier unterlegen, "auf der großen und traditionsreichen "Wetten, dass..?"-Bühne wird Markus Lanz jedoch weitaus erfolgreicher sein", zeigte sich die Direktorin zuversichtlich. "Wetten, dass..?" ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu sehen.
Doch herrscht in der Branche auch Skepsis, ob die Sendung eine Zukunft hat. Helmut Thoma, früher als RTL-Geschäftsführer für zahlreiche Fernseh-Innovationen verantwortlich, traut Lanz den Job zwar zu, "die ganze Frage ist aber, ob diese Sendung überhaupt noch lebensfähig ist", sagte er. "Diese Form von Sendung kommt noch aus einer anderen Zeit." AZ, afp, dpa