Am Mittwoch hat BP das Öl-Leck im Golf von Mexiko mit Schlamm versiegelt - der endgültige Verschluss mit Zement soll folgen. Ein Gespräch mit Bohrtechnik-Professor Matthias Reich von der TU Freiberg über menschliches Versagen und Technik in der Tiefe. Von Karin Seibold



Am Mittwoch hat BP das Öl-Leck im Golf von Mexiko mit Schlamm versiegelt - der endgültige Verschluss mit Zement soll folgen. Ein Gespräch mit Bohrtechnik-Professor Matthias Reich von der TU Freiberg über menschliches Versagen und Technik in der Tiefe.
Ist die Öl-Katastrophe jetzt besiegt?
Reich: Noch nicht ganz, aber die kritische Phase ist vorbei. Der Erfolg vom Mittwoch ist die Vorstufe zum endgültigen Sieg. Denn jetzt ist das gelungen, was man von Anfang an erreichen wollte: eine Art Korken zu schaffen, der das Öl nach unten drückt und dort festhält. Mithilfe der Kappe am Meeresboden hat das nun funktioniert. Denn sie hält den Bohrschlamm fest, den man in die Bohrung gepumpt hat. Mit jedem Liter dieser schweren Spülung wird das Öl weiter zurück nach unten gedrängt und der Druck auf die Kappe nimmt ab. Sobald kein Druck mehr auf diese Kappe wirkt, hat man die Bohrung "totgepumpt", wie Experten sagen. Dann hat man sie wieder unter Kontrolle. Und dann kann damit begonnen werden, Zement nach unten zu pressen.
Der Zement soll das Leck nicht an der Kappe verschließen, sondern vier Kilometer tiefer, direkt am Austrittsort des Öls aus der Lagerstätte, oder?
Reich: Ja, der Zement muss dort unten hin. Um das zu erreichen, gibt es zwei Möglichkeiten: Sobald der Druck auf die Kappe weg ist, kann man sie abmachen und von dort ein Gestänge einbauen, vier Kilometer in die Tiefe, über das der Zement zur Lagerstätte nach unten gepumpt wird. Das wäre die erste Möglichkeit, sie führt direkt durch die Bohrung. Die zweite Möglichkeit sind die Entlastungsbohrungen, die man in den vergangenen Wochen gemacht hat. Sie treffen seitlich auf den Austrittsort des Öls aus der Lagerstätte. Auch über sie könnte man den Zement transportieren. Möglich sind beide Varianten, das Ergebnis ist bei beiden dasselbe. Wenn der Zement dann unten ist, muss er zwei, drei Tage aushärten und dann ist das Problem gelöst - endgültig.
Und warum ist man auf diese Methode nicht schon früher gekommen?
Reich: Na ja, man hat ja gleich am Anfang mit den Entlastungsbohrungen begonnen, aber die dauern eben. Und man hat ja auch von Anfang an verschiedene Hauben ausprobiert. Die Kappe, die jetzt auf dem Öl-Leck sitzt, musste erst entwickelt, gebaut, getestet und dann installiert werden. Wenn man "Kappe" sagt, klingt das immer so läppisch, aber das ist ein extrem komplexes System. Um so etwas zu realisieren, sind gut zwei Monate keine lange Zeit.
Hätte BP besser auf so ein Unglück vorbereitet sein müssen?
Reich: Das Problem ist: Jede Bohrung ist ein Einzelstück, und bei jeder Bohrung kann etwas anderes schiefgehen. Das Leck hätte auch an einer ganz anderen Stelle entstehen können. Aber es ist sicher nicht alles optimal gelaufen.
"Nicht optimal" ist relativ milde ausgedrückt. Wie kann verhindert werden, dass so etwas wieder passiert?
Reich: Schuld an dem Unglück war nicht die Technik, sondern menschliches Versagen. Das war eine Erkundungsbohrung, und als BP die wieder verlassen wollte, hat man nicht sorgfältig genug gearbeitet. Der Zement, der die Quelle verschließen sollte, war noch nicht ganz dicht, da wurde die Bohrspülung schon abgepumpt, um schnell wieder wegzukommen. Als das Leck dann aufgerissen ist, war schon nichts mehr da, um es wieder zu schließen. So etwas darf nicht passieren. Aber nach der Katastrophe dürfte jetzt allen Beteiligten klar sein: null Toleranz bei Pfusch. Dieses Interview führte Karin Seibold
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