König Juan Carlos hat sich im Urlaub einen Bart wachsen lassen. Die Süddeutsche fragte daraufhin: "Wie niveaulos darf man im Urlaub sein?" Pro und Contra von Cordula Sailer und Niko Steeb

Von Niko Steeb: Lasst die Bärte sprießen
"Wie niveaulos darf man im Urlaub sein?", fragt die Süddeutsche Zeitung. Anlass ist ein Foto des urlaubenden spanischen Monarchen Juan Carlos, der sich auf Mallorca einen Bart wachsen ließ.
Wieso gerade ein Bart etwas mit "sich gehen lassen" zu tun haben soll, bleibt offen. Seit der Antike steht der Bart des Mannes für Macht und Männlichkeit. Bis heute hält sich dieses Bild.
Frank Deschner schreibt in "Zur Geschichte des Bartes", dass heute der Bart ein "Insistieren auf Maskulinität" bedeutet, ein Zeichen des Rechts, "als Mann erkennbar zu sein". Gerade Philosophen, Religionsführer ("Beim Bart des Propheten!") und Könige stehen sinnbildlich für Bärte. Der bartlose Mann ist eine eher neue, androgyne Erscheinung einer Zeit, in der die Geschlechtsunterschiede schwinden.
Dieser Hintergrund könnte das Motiv für die Fragestellung der Süddeutschen sein, wie niveaulos man im Urlaub sein darf?
Bart beiseite! Urlaubszeit ist Freizeit. Freie Zeit ist die Zeit, die nicht durch Arbeit, Büro und Anpassungszwänge gekennzeichnet ist. Wer sich 46 Wochen im Jahr an systemische Zwänge, Kleidernormen und -ordnung anpassen muss, dem sei ein lockeres Leben im Urlaub gegönnt.
Keiner muss im Urlaub im Nadelstreif schwitzen. Es stellt sich die Frage, ob man mit Adiletten, Tennissocken, Gürteltasche um den Bauch und Schumacher-Cap Deutschland im Ausland vertreten muss.
Doch zwischen Adiletten und Nadelstreif ist ein weiter, gesunder Spannbogen, unter dem sich jeder für sechs Wochen im Jahr so fühlen und zeigen darf, wie er will - selbst mit Bart und Adiletten.
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