Samstag, 18. Mai 2013

08. Mai 2011 09:48 Uhr

Extrem gefährlich

Zielfahnder jagen Taximörder

Der Taximörder vom Bodensee ist noch immer auf der Flucht. Am Samstag war der hochgefährliche Mann aus einer Psychiatrie ausgebrochen. Jetzt hetzen den Verurteilten Zielfahnder durch Baden-Württemberg.

Baden-Württemberg zittert vor dem entkommenen Taximörder vom Bodensee. Die Polizei gibt Warnungen heraus, erste Zeugen melden sich. Seit Samstag suchen Zielfahnder des Landeskriminalamtes (LKA) Baden-Württemberg nach dem 29 Jahre alten Mann, der am Samstag aus einer geschlossenen Psychiatrie in Wiesloch nahe Karlsruhe entkommen war war. Bisher blieben jedoch alle Fahndungsversuche ergebnislos. Auch eingegangene Hinweise hätten die ermittelnden Beamten bisher nicht vorangebracht, teilte das LKA in der Landeshauptstadt Stuttgart mit. Rund 50 Beamte waren am Sonntag rund um Wiesloch bei Heidelberg im Einsatz - unterstützt von Hubschraubern. Zudem wird die bundesweite Fahndung fortgesetzt.

Der zu lebenslanger Haft verurteilte Mörder und Vergewaltiger hatte vor fast einem Jahr eine Taxifahrerin am Bodensee getötet und eine andere vergewaltigt. Wegen deutlich verminderter Schuldfähigkeit wurde er in eine Psychiatrie gebracht.

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Zeuginnen wollen Taximörder vom Bodensee gesehen haben

Zwei Zeuginnen gaben an, den Gesuchten am gestrigen Samstag nördlich der Orte Nußloch und Leimen gesehen zu haben. Weil in der Region große Waldgebiete liegen, setzte die Polizei auch Hubschrauber bei der Suche ein.

Der Gesuchte war am Morgen des gestrigen Samstag während seines Hofgangs verschwunden - trotz gefesselter Füße. Die ermittlenden Beamten schildern den 29-Jährigen als äußerst gewaltbereit und sehr gefährlich.

Polizei warnt Taxifahrer

Die Polizei habe alle Taxifahrer vorgewarnt, sagte ein Sprecher der Polizei - und zwar nicht nur in Wiesloch und Umgebung, sondern auch in Friedrichshafen am Bodensee. Die Polizei vor Ort nahm nach laut eigenen Angaben sofort Verbindung zu Kontaktpersonen des Mannes auf. Außerdem riefen die Behörden Autofahrer über Radio dazu auf, keine Anhalter mitzunehmen.

Der 29-Jährige war Anfang Februar wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Gutachter hatte dem jungenhaft wirkenden Mann schwere Persönlichkeitsstörungen, darunter krankhafte Sexualvorstellungen und Nekrophilie bescheinigt. Unter Nekrophilie versteht man die Neigung, sich an einer Leiche sexuell zu befriedigen.

Er hatte zugegeben, dass er beide Frauen töten und anschließend vergewaltigen wollte. Das Verbrechen hatte die Bodenseeregion in Angst versetzt. Auf die Spur des Mannes, der wenige Tage nach der Tat in Senftenberg in Brandenburg gefasst worden war, hatte eine DNA-Probe geführt, die ihm 2007 nach mehreren kleineren Diebstählen in Singen abgenommen worden war.

Rückblick Festnahme

Es stand 3:0 für Deutschland, als die Polizei die Gartenlaube stürmte: Der mutmaßliche Taximörder vom Bodensee saß in Senftenberg (Brandenburg) vor dem Fernseher und ließ sich widerstandslos festnehmen.

«Er war völlig überrascht», sagte am Montag ein Polizeisprecher in Friedrichshafen. Der mit Haftbefehl gesuchte 28-Jährige hatte bei Verwandten Unterschlupf gefunden. Ein Tipp von seinen Bekannten brachte die Fahnder auf die Spur des Mannes.

Täterbeschreibung des Taximörders vom Bodensee

Der Gesuchte ist 179 Zentimeter groß, 29 Jahre alt, schlank, hat blonde glatte Haare, ein rundes Gesicht, grüne Augen, eine osteuropäische Erscheinung und spricht deutsch mit Akzent. Bekleidet ist der Flüchtige mit einem weißen T-Shirt, einer grauen Trainingshose und Badeschlappen.

Das ist die Psychiatrie in Wiesloch

Der Taximörder vom Bodensee ist aus einer Psychiatrie in Wiesloch geflohen. Darin werden in einer geschlossenen Abteilung auch psychisch kranke Straftäter behandelt. Aus der Website des Psychiatrischen Zentrums Nordbadens geht hervor, dass auf elf Behandlungseinheiten und in Außenwohngruppen 225 Patienten versorgt werden. Das sehr grüne Gelände des Zentrums ist etwa 100 Hektar groß.

Derzeit werden etwa 25 Patienten auf ihre Entlassung vorbereitet. Es gibt wie in den meisten Psychiatrischen Anstalten eine Notfallambulanz. Das Krankenhaus ist nach eigenen Angaben die größte Fachklinik dieser Art in Baden-Württemberg. Die Mitarbeiterzahl beträgt 1400. Der Taximörder saß in der hermetisch abgeriegelten Forensik ein, die von den anderen Kliniken durch fünf Meter hohe Mauern abgetrennt ist.

Die Polizei bittet die Bevölkerung um Hinweise zum Aufenthaltsort des gefährlichen Mannes, der unter dem Namen Taximörder vom Bodensee in den Medien bekannt geworden ist.

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