Thilo Sarrazin teilt gerne aus: Türkinnen sind "Kopftuchmädchen", Arbeitslose "Sozialschmarotzer". Jetzt hat er sein neues Buch vorgestellt - und muss dafür von vielen Zeitungen Kritik einstecken.



Bild-Zeitung (Berlin):
"Thilo Sarrazin ist ein Skandalautor. Er rechnet Gene gegen Bildung auf. Das ist skandalös. Aber er sagt unverblümt viele Wahrheiten über das Land. Zu viele Kopftücher, zu wenig Bildung, zu viel Hartz IV, zu wenig Leistung. Deutschland regt sich über Sarrazin auf. Bitte abregen! Der dümmste Vorwurf gegen ihn lautet: Er sagt nichts Neues, alles schon bekannt. So bekennt die Politik ihr Versagen. Das ist der wahre Skandal! Alles bekannt, aber nichts oder viel zu wenig getan. Wer Sarrazin widerlegen will, muss nicht reden, sondern handeln. Statt aufregen - anpacken! (...)."
Die Welt (Berlin):
"Wenn eine Debatte hierzulande bei 'jüdischen Genen' angekommen ist, dann weiß man, dass sie unrettbar verloren ist. Thilo Sarrazin wollte mit seinem Buch 'Deutschland schafft sich ab' die Fehler der deutschen Einwanderungs- und Sozialpolitik ins Bewusstsein rücken. Längst aber wird nicht mehr über die von ihm präsentierten Fakten gestritten, sondern über Sarrazin selbst. Denn statt sich an seine Statistiken zu halten, hat der Bundesbanker befremdliche Vererbungsargumente für mangelhafte Leistungen muslimischer Einwanderer angeführt."
Thüringischen Landeszeitung (Weimar):
"Sarrazin ist ein Provokateur - und ein genialer Buchvermarkter dazu. Sein purer Biologismus kommt aber einem teilweise rassistischen Weltverständnis gefährlich nahe. Rassen über ihre biologischen Eigenschaften zu erklären - und zu verdammen - das ist Teil auch rechtsradikaler Weltsichten. Die einhelligen Verurteilungen durch die Berliner Politiker sind deshalb nicht das Vertuschen von Wahrheiten, sondern der Versuch, den Schaden, den Sarrazin anrichtet, zu begrenzen."
Stuttgarter Nachrichten
"In Dresden gibt es einen berühmten Zirkus, den Zirkus Sarrasani. In diesen Tagen kann er allerdings nicht mithalten mit den Attraktionen, die der neugegründete Zirkus Sarrazini in Berlin zu bieten hat. Die provokanten Thesen des früheren Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin zur Zuwanderung und Bevölkerungsentwicklung sind zur politischen Akrobatennummer verkommen. Alle blicken nach oben, um Sarrazin bei seinem gewagten Drahtseilakt zu beobachten. Dabei sollten sie besser nach unten schauen - dorthin, wo die Probleme sind."
Financial Times Deutschland:
"Vielleicht geht es Thilo Sarrazin tatsächlich auch um die Sache und nicht nur um sich selbst. Worum es ihm ganz sicher nicht geht, ist die Deutsche Bundesbank. Ihr nationales und internationales Ansehen wird durch Sarrazins Provokationen beschädigt. Und allein deshalb ist es höchste Zeit, ihn abzuberufen."
Sueddeutsche Zeitung:
"Integration ist nur möglich, wenn man nicht in Horrorszenarien flüchtet, sondern den Muslimen wirklich eine Chance gibt. Sie ihnen zu verweigern, ist kein Privileg des unglücklichen Herrn Sarrazin. Auch der Durchschnittsbürger mag Anhänger der Integration sein; aber nur, solange seine Kinder die Schulbank nicht mit 25 Türken und Arabern teilen. Und wenn, wie in Hamburg, der Staat die Schule zum Nukleus der Integration machen will, stimmt die Mehrheit der Wähler das Projekt nieder. Solange das so ist, helfen die schönsten Predigten nichts." AZ
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