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Justiz: Das Geld der alten Dame

Justiz

Das Geld der alten Dame

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    Das Geld der alten Dame
    Das Geld der alten Dame

    Paris  Steinreich zu sein – dieser Wunsch dürfte jedem vergehen, der die Ereignisse um Liliane Bettencourt verfolgt, die Tochter des L’Oréal-Gründers Eugène Schueller und reichste Frau Frankreichs. Angebliche  Freunde, die sich ohne erkennbare Scham bereichern, Angestellte, die üppige Geschenke herausschlagen, eine Tochter, die gerichtlich die Entmündigung erzwingt, und die Öffentlichkeit, die sich an den immer neuen Enthüllungen labt: Die 89-jährige Milliardärin, die eigentlich ein zurückgezogenes Leben bevorzugt, erlebt einen unruhigen Ruhestand.

    Vor gut einem Jahr sorgten heimliche Tonaufzeichnungen, die Bettencourts Butler angefertigt und der Polizei übergegeben hatte, für einen Parteispendenskandal um das konservative Regierungslager, der Ex-Arbeitsminister Eric Woerth zu Fall und Präsident Nicolas Sarkozy in den Verdacht brachte, illegale Geldgeschenke für seinen Wahlkampf angenommen zu haben. Zugleich deckten die Tonaufnahmen Bettencourts Steuerbetrug auf, der ihr eine Nachzahlung von mehr als 100 Millionen Euro an den französischen Fiskus einbrockte. Nun kommt neue Bewegung in die weit verästelte  Bettencourt-Affäre: Seitdem sie ein Gericht im Oktober unter die Vormundschaft ihres ältesten Enkels gestellt hat, da ihre Demenz- und Alzheimer-Erkrankung sie nicht mehr zu souveränem Handeln befähige, interessiert sich die Justiz für einige finanzielle Entscheidungen der alten Dame. Kürzlich wurden der schillernde Promi-Fotograf François-Marie Banier und sein Lebensgefährte einem Richter vorgeführt: Ihnen wird  Missbrauch von Schwäche  vorgeworfen, der ihnen Geschenke im Wert von 103 und 23 Millionen Euro in Form von Kunstgegenständen und Bargeld eingebracht haben soll.

    Promi-Fotograf setzte reiche Freundin unter Druck

    Eine Klage von Bettencourts Tochter gegen Banier hatte den Skandal ins Rollen gebracht: Der 64-Jährige hatte Lebensversicherungen, Immobilien, Geld und Gemälde im Wert von insgesamt 993 Millionen Euro erhalten und die reiche  Freundin  massiv unter Druck gesetzt. Rund die Hälfte der Geschenke gab er infolge eines gerichtlichen Ausgleiches zurück. Dennoch soll er weiter profitiert haben, auch von Zahlungen von einem Schweizer Schwarzgeldkonto. Im Fokus der Justiz stehen auch Bettencourts Anwalt und ehemaliger Vormund, Pascal Wilhelm, sowie ihr vorheriger Vermögensberater Patrice de Maistre. Dieser ist auf den Tonband-Aufnahmen mit der Bitte um eine Luxusjacht zu hören.

    Unter Wilhelms Ägide wiederum investierte Bettencourt 143 Millionen Euro in das defizitäre Online-Poker-Geschäft des Jungunternehmers Stéphane Courbit,  ein Mandant Wilhelms. Von einer Richterin befragt, wie und warum es zu dem Geschäft gekommen war, hatte die 89-Jährige weder Erinnerungen daran noch an Courbit.

    Auch die Veränderungen in Bettencourts Testament erregen die Aufmerksamkeit der Ermittler. So überschrieb sie Lebensversicherungen im Wert von 700 Millionen Euro auf ihre beiden Enkel, 25 und 23 Jahre alt. Zugriff darauf sollen sie aber erst mit 40 Jahren bekommen. Bis dahin bleibt der Verwalter   Pascal Wilhelm. Im Testament vermerkt ist außerdem, dass nur ein geringer Anteil ihres Besitzes nach ihrem Tod ihrer Familie zukommt; ihr Krankenpfleger hingegen, der ein Monatsgehalt von 18000 Euro bezieht, soll zehn Millionen Euro erhalten.

    Sie sei gerne großzügig, man müsse nur darauf achten, zu wem, sagte Bettencourt einmal in einem Interview.

    Dass sie dies noch kann, steht jetzt aber infrage.

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