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Frankreich: Das dreiste Leben des Monsieur Mas

Frankreich

Das dreiste Leben des Monsieur Mas

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    Paris Als dreist galt Jean-Claude Mas schon länger. Spätestens von dem Zeitpunkt an, als der Gründer der umstrittenen Brustimplantate-Firma Poly Implant Prothèse (PIP) über seinen Anwalt Yves Haddad ausrichten ließ, er habe aus Kostengründen nicht zugelassenes Silikon-Gel verwendet. Giftig sei es aber nicht gewesen. „Das war eben ein kapitalistisches Vorgehen“, sagte Haddad. Nun enthüllte die südfranzösische Zeitung Nice-Matin, dass der 72-jährige Mas offenbar noch im Sommer vorhatte, unter dem Dach eines neuen Unternehmens weiter an der Produktion von Billig-Prothesen zu arbeiten.

    Im Juni hätten sein Sohn und seine Tochter, Nicolas und Peggy Lucciardi, zu diesem Zweck die Firma France Implant-Technologie (FIT) gegründet. Dem Handelsregister von Toulon zufolge wollte das Unternehmen chirurgisches und zahntechnisches Material herstellen. Der Geschäftsplan sieht laut dem Zeitungsbericht aber auch die Produktion von jährlich 60000 Brustimplantaten für den europäischen, chinesischen und südamerikanischen Markt vor. Der Preis solle zehn Prozent unter dem der Konkurrenz liegen und die Produktionskosten sogar 30 Prozent geringer sein. Im Organigramm erscheint demnach auch Jean-Claude Mas als „technisch-kaufmännischer Berater“, der für seine „30-jährige Erfahrung“ angepriesen wird.

    Zwei weitere ehemalige PIP-Mitarbeiter sind dort ebenfalls genannt, einer davon als zuständig für die Überwachung der Qualität. Das Projekt stehe in „keiner Verbindung mit Jean-Claude Mas und PIP“, versicherte Nicolas Lucciardi nun zwar. Er sagte aber wiederum auch, die Pläne seien aufgrund des Medienrummels ins Wasser gefallen.

    Inzwischen liegen Anzeigen von mehr als 2500 Frauen vor

    Angesichts des Skandals um Jean-Claude Mas überraschen sie zumindest, zumal ihn die US-Gesundheitsbehörde bereits im Jahr 2000 wegen mit einer Kochsalzlösung gefüllter Implantate im Visier hatte und er bereits zweimal in französischer Untersuchungshaft war. 2010 war sein Unternehmen, zuvor weltweit Nummer drei in der Herstellung von Brust-Prothesen, aufgelöst worden.

    Seinem Anwalt zufolge erholt sich Mas derzeit in seinem Haus in Südfrankreich von einer Operation. Interpol sucht ihn wegen einer Trunkenheitsfahrt 2010 in Costa Rica.

    Inzwischen liegen der französischen Justiz Anzeigen von mehr als 2500 Frauen vor. Es laufen Ermittlungen wegen schweren Betrugs und fahrlässiger Tötung, mit einem Prozess gegen Mas wird Ende 2012 gerechnet. Nun hat auch Frankreichs staatliche Krankenkasse Cnam Strafanzeige wegen schweren Betrugs erstattet und erhofft sich Schadensersatz in Millionenhöhe. Experten rechnen damit, dass die Entfernung der PIP-Brustimplantate allein die französische Sozialversicherung rund 60 Millionen Euro kosten könnte. Die Regierung in Paris hatte diese den rund 30000 betroffenen französischen Frauen vorsorglich empfohlen. Die PIP-Implantate reißen häufiger als andere Fabrikate und stehen im Verdacht, Entzündungen und sogar Brustkrebs hervorzurufen. In Deutschland gibt es einige Tausend Fälle.

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