Im Filmgeschäft kann sich glücklich preisen, wer es geschafft hat, mit einem Auftritt in den Kanon der Kultszenen aufgenommen zu werden. Im Fall von Anita Ekberg war es der Trevi-Brunnen in Rom, in dem Wasser, schwarzes Abendkleid, blondes Haar und das Dekolleté der schwedischen Schauspielerin zu einer erotischen Einheit zusammenflossen. „La dolce vita“ – „Das süße Leben“ (1960) hieß der Klassiker von Federico Fellini, der vielschichtig Medienrummel und das Treiben einer sinnentleerten Gesellschaft thematisierte.
Heute wird die Diva, die einst als europäische Antwort auf Marilyn Monroe galt, 80 Jahre alt. Über Einsamkeit klagt Anita Ekberg, die schon lange gesundheitliche Probleme hat. Die ehemalige Miss Schweden, die sich im August den rechten Oberschenkel gebrochen hatte, liegt seit längerem in einem Krankenhaus in der Nähe von Rom. Immerhin will dort die Klinikleitung heute ein Festessen für den einstigen Weltstar ausrichten, wie Ekberg dem Corriere della Sera verriet. Die Knochen spielen halt nicht mehr mit. Vor einem Jahr hatte die Schauspielerin bereits eine Fraktur des linken Beines erlitten. „Wenn ich daran denke, wie sehr Fellini meinen Gang bewunderte“, sagt Ekberg mit Wehmut in der Stimme. Man kann es verstehen, dass ihr Rückblick sich immer wieder auf die Brunnenszene mit Marcello Mastroianni konzentriert, obwohl „La dolce vita“ ihrer Meinung nach kein großer Film war. „Er lebte nur durch diese außerordentliche Szene. Es gab nur mich und Marcello. In Wahrheit – mehr mich als ihn. Ich war sehr schön. Das weiß ich.“
Kinovergangenheit als Illusion. Was die Ekberg sagt, erinnert ein bisschen an den ehemaligen Stummfilmstar Norma Desmond in Billy Wilders „Boulevard der Dämmerung“, der nichts wahrnimmt außer sich selbst.
Eine große Schauspielerin war Anita Ekberg, die stets mit Übergewicht zu kämpfen hatte, nie. Aber als „schwedischer Eisberg“ taute sie mühelos Italiens Männer auf, die für blonde, kurvenreiche Weiblichkeit besonders empfänglich sind. Da ein Western, hier eine Komödie, dort ein römischer Monumentalschinken. Hauptsache, ihr wogender Busen trug die Filme einigermaßen. Anita Ekbergs Fazit: „Ich habe gewonnen und verloren. Ich habe geliebt und geweint.“