Es war einmal, da plauderte der TV-Schwiegersohn der Nation locker vom Hocker, befragte seine Talkgäste sogar einigermaßen frech. Eva Herman warf er gar aus der Sendung, nachdem die ehemalige „Tagesschau“-Sprecherin über ihre umstrittenen Thesen zur Rolle der Frau referiert hatte. Johannes B. Kerner hatte beim ZDF eine gute Zeit. Aber der Tausendsassa hatte sich Ende 2009 wohl verzettelt, als er zu seinem Heimatsender Sat.1 zurückging und in dem Magazin „Kerner“ zeigen wollte, dass er auf der Klaviatur der Unterhaltungsvielfalt für Furore sorgen könnte.
Als journalistisches Flaggschiff angepriesen
Nun gibt der 46-Jährige sein Magazin zum Jahresende auf. Kerner werde das Format am 15. Dezember in Form eines Jahresrückblicks zum letzten Mal präsentieren, hieß es bei Sat.1. Der Sender hatte das Magazin zum Start als „journalistisches Flaggschiff“ gepriesen. Angeblich sei der Moderator aber mit der Qualität der Sendung nicht einverstanden gewesen.
Die Hauptursache ist banaler. Die Quote war für einen kommerziellen TV-Veranstalter zu schwach. Auch der Wechsel vom Montag auf den Donnerstagstermin um 22.15 Uhr brachte nicht den Durchbruch. Was insgesamt mit der Akzeptanz des Senders und der großen Plauderkonkurrenz von ARD und ZDF zu tun hat. Selbst Harald Schmidts Quoten dümpeln auf Sat.1 vor sich hin. Und Sat.1 hat es im Gegensatz zu RTL nicht geschafft, als Marke einen Kontrast zu den Öffentlich-Rechtlichen zu setzen.
Die Fußball-Champions League wird Kerner in dieser Saison weiter moderieren – wie auch „Das große Allgemeinwissensquiz“. Das Magazin „Kerner“ jedenfalls scheiterte auch daran, weil die an „stern TV“ erinnernde Mischung aus Alltagsgeschichten, Verbrauchertipps und schwierigen Beiträgen etwa über Opfer sexuellen Missbrauchs nicht funktionierte.