Die Hohenzollernbrücke in Köln, die Thalkirchner Brücke in München und die Milvische Brücke in Rom – sie alle haben etwas gemeinsam: Bunte Vorhängeschlösser zieren ihre Geländer.

Die sogenannten „Liebesschlösser“ werden von Paaren als Zeichen der ewigen Verbundenheit an Brücken in der ganzen Welt angebracht. Anschließend werden die Schlüssel in den Fluss geworfen. Die Stadtverwaltungen sind jedoch weniger begeistert von diesem Trend.
Rund 500 dieser Symbolträger hängen inzwischen an der Thalkirchner Brücke. „Auch an der Großhesseloher Brücke werden seit kurzem Liebesschlösser befestigt“, sagt Jürgen Marek, Sprecher des Baureferats München. Der Brauch würde so lange geduldet, bis es zu Schäden am Bauwerk käme. 30 bis 40 verfärbte Schlösser sollten bei Gelegenheit entfernt werden, um eine Übertragung auf das Brückengeländer zu verhindern. „Wir werden sie aber im Bauhof aufheben, damit die Besitzer sie abholen können“, sagt Marek.
An der „Kettenbrücke“ über dem Main-Donau-Kanal in Bamberg hängen ebenfalls Hunderte Schlösser. „Wir beobachten diesen Trend mit großer Skepsis“, sagt Claus Reinhardt, Leiter des Baureferats in Bamberg. Denn bereits jetzt zeigten sich erste Verfärbungen. 2010 erst wurde die Brücke in Betrieb genommen. Im Frühjahr 2011 zierten schon die ersten Schlösser das Bauwerk. „Die romantische Ader der Menschen schlägt hier offenbar durch“, sagt Reinhardt. Die Schlösser seien oftmals bunt, mit Filzstift beschriftet oder graviert.
In Berlin werden halbjährlich ungefähr 30 bis 40 Schlösser vom Geländer der Weidendammbrücke entfernt. Der Grund: „Die Brücke ist ein sensibles Bauwerk und nicht dazu da, um Schlösser daran zu befestigen“, sagt Petra Roland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Berlin. „Ich hoffe, dass die Liebespaare unser Signal erkennen.“ Ähnliche Töne kommen aus dem Tiefbauamt Regensburg. Amtsleiter Alfons Swaczyna hält die Schlösser am Eisernen Steg und am Grieser Steg für höchst problematisch.
Dagmar Hänel, Volkskundlerin am Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte in Bonn, beschäftigt sich seit einiger Zeit mit der Herkunft des Rituals. „Vermutlich kommt der Brauch aus Italien. In Rom bringen seit Anfang der 90er zahlreiche Paare Schlösser an der Milvischen Brücke an.“ Verbreitet würde dieser Trend durch den 2006 erschienenen italienischen Roman „Ho voglia di te“ („Ich steh auf dich“) von Federico Moccia. In dieser Geschichte befestigten die beiden Hauptfiguren ein Schloss an der Milvischen Brücke. 2007 brach in Rom sogar eine Laterne unter dem Gewicht Tausender „lucchetti dell’ amore“ zusammen, sodass das Ritual zeitweise verboten war. Berühmt sind auch die Schlösser in der „via dell’ amore“ zwischen den ligurischen Cinque-Terre-Orten Manarola und Riomaggiore.
In Deutschland erreichten sie 2008 zuerst Köln. Etwa 40000 schmücken das Geländer der Hohenzollernbrücke. „Durch die Medien wird dieses Ritual immer weiter verbreitet“, sagt Hänel. Es sei schließlich ein attraktiver Brauch, durch Schlüssel und Schloss ewige Verbundenheit zu symbolisieren. Iris Jilke
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