Rom Francesco Schettino bleibt weiter unter Arrest. So will es das Gericht. Und während der Kapitän der „Costa Concordia“ sein Haus in Meta di Sorrento hüten muss, müht man sich vor Giglio, eine zweite Katastrophe zu verhindern: die Ölpest. Mehr als vier Wochen sind seit dem Unglück der Costa Concordia nun vergangen. Und am Sonntag, endlich, konnten Spezialisten der niederländischen Bergungsfirma Smit Salvage nach wochenlangen Verzögerungen damit beginnen, den Treibstoff aus dem havarierten Kreuzfahrtschiff zu pumpen.
Das Wrack der "Costa Concordia" gilt als sehr gebrechlich
Etwa 2300 Tonnen in 28 Tagen. Geht alles gut, hält das Wetter, ruht das Schiff, gibt es keine Unterbrechungen, dann könnte dem maritimen Naturschutzgebiet vor der toskanischen Küste einiges erspart bleiben. Leicht ist die Arbeit nach wie vor nicht, wie Martijn Schuttevaer, Sprecher von Boskalis, dem Konzern zu dem Smit Salvage gehört, erklärt. Und es ist auch nicht leicht, exakt zu bestimmen, wie viel Öl schon aus dem Schiff raus ist. Genaue Angaben will Schuttevaer erst in ein paar Tagen geben. Er sagt, warum: „Im Augenblick läuft das so: Wir pumpen so lange an einem Tank, bis nicht mehr Treibstoff, sondern nur noch Wasser aus den Schläuchen kommt. Wenn wir dann von Seiten der Costa Crociere eine Bestätigung bekommen, dass auch sie glauben, der Tank sei leer, dann nehmen wir den nächsten. Es ist eine doppelte Kontrolle.“
Im Augenblick hätten sie Glück, denn sie seien an einem der großen Tanks. „Das heißt, wir pumpen schnell und viel Öl.“ Schwieriger werde es, später dann an die kleineren, ungünstig gelegenen Treibstoffbehälter zu kommen. In jeden Tank müssen zwei Löcher gebohrt werden, bevor die eigentliche Arbeit beginnen kann.
Wird die Costa Concordia das alles aushalten? Es heißt, die Statik des Schiffes sei gefährdet. Die Löcher, die während der Suche nach Überlebenden in den Rumpf gesprengt wurden, hätten das Schiff bereits gebrechlicher gemacht. Seine Tonnenlast und seine unnatürliche Seitenlage auf dem Riff, das bleibe auf Dauer nicht stabil. Und der Felsen, auf dem die Costa Concordia liege, habe einen Riss. Nichts davon wurde von offizieller Seite bestätigt. Und auch Martijn Schuttevaer will sich dazu nicht äußern. Er sagt nur: „Wenn das Schiff instabil wäre, würden wir unsere Leute abziehen.“
Sie haben auch für die Ingenieure und Taucher von Smit Salvage gebetet am vergangenen Montag. In der Kirche von Giglio hielt Don Lorenzo eine Gedenkmesse für die bislang geborgenen 17 Opfer und die übrigen 15 Vermissten. „Es war eine bewegende Zeremonie. Ein feierlicher Moment. Wir haben der Toten gedacht, für die Hinterbliebenen und die Helfer gebetet.“ Die Stimmung auf Giglio, bei den Insulanern, sei etwas ruhiger inzwischen, sagt der Priester: „Die ganz große Angst ist vorbei. Aber es ist gut, dass das Abpumpen begonnen hat. Es ist wichtig zu sehen, es geht voran.“
Geduld müssen sie haben. Auf der Insel und auf dem Festland. Auch den Küstenbewohnern bleibt nichts anderes übrig, als zu warten. Simona Landini hat ein kleines Hotel in Porto Santo Stefano. Wie alle, die vom Tourismus leben, hat auch sie Angst, dass die Zeit nicht reichen wird. Aber noch will sie sich nicht verrückt machen. „Ich glaube und hoffe, dass alles gut wird.“ Sollten im Sommer tatsächlich Touristen fernbleiben, weil das Wrack dann noch immer vor Giglio liegt, dann hat sie zumindest ein kleines Kompensationsgeschäft gehabt. Denn: „Natürlich kommen noch immer Gäste, nur um die Costa Concordia zu sehen.“ Ein riesenhaftes weißes Wrack im blauen Meer, das übt für viele eine Faszination des Grauens aus. Wenn das Meer aber schwarz vom Öl ist, dann sieht alles anders aus.