„… mit einem großen Gefühl der Dankbarkeit, der Erfüllung und des Staunens angesichts des von uns Erreichten…“ – ja ja, ein bisschen Pathos, ein bisschen Demut, ein bisschen Stolz, so lesen sich Abschiedsworte. Dass sie nun, nach 31 Karrierejahren, von den Herren Stipe, Buck und Mills zu vernehmen waren, hat keinen mehr richtig überraschen können. Zu offenkundig waren die Zweifel an einer gemeinsamen Zukunft bereits bei Veröffentlichung ihres letzten Albums „Collapse into Now“ im März dieses Jahres gewesen. Jetzt ist es amtlich: R.E.M., ein Titanenteam der Popgeschichte, ist Geschichte.
Unvergessene Songs
Ein Grund zur Traurigkeit ist das allerdings nicht. Davon haben die Amerikaner über all die Jahre hinweg weit bessere geliefert: Songs voller Seelenpein wie „Everybody hurts“ etwa. Eines der vielen tatsächlich unvergesslichen Lieder aus der Zeit, als die da noch vier Herren von R.E.M. weltweit zu Superstars wurden, mit den Alben „Document“, „Out of Time“ und „Automatic for the People“.
Es war vor allem Anfang der 90er Jahre, als Sänger Michael Stipe, statt mit der Lockenmatte aus den Anfangsjahren mit kahl rasiertem Schädel, zum Schmerzensmann avancierte, seine epileptischen Verrenkungen zu „It’s the End of the World as we know it“ oder „Loosing my Religion“ quasi in Endlosschleife im Musikfernsehen tanzte. Eine große Zeit für die Band, eine große Zeit für den Pop, weil: Time-out für Glamour. Mit dieser Band war durchaus auch Fröhlichsein, doch stets mit Stil und im Bewusstsein des eigentlichen Ernsts des Lebens. Danke dafür.
Dass nicht alles, was danach an Musik folgte, weitere Offenbarungen brachte – geschenkt. Immerhin hatten Stipe, Buck und Mills mit fast 50 noch den Mut zu „Accelerate“, einem überraschend rockigen Album. Und ließen’s dann eben ausklingen, wie sie immer waren: pathetisch, stolz und demütig.