Spaniens sozialistischer Ministerpräsident José Luis Zapatero (51) wird mit der Parlamentswahl am Sonntag aus dem Amt scheiden. Laut Umfrage ist er der unbeliebteste Politiker Spaniens und der unpopulärste Regierungschef in der demokratischen Geschichte des Königreichs.
Sturzflug der Sozialisten
Der tiefe Fall in der Wählergunst hatte Zapatero bereits im April zu der Ankündigung veranlasst, nach sieben Jahren Amtszeit nicht mehr anzutreten. Er bestimmte seinen früheren Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba (60) zum Spitzenmann. Doch auch dieser wird es laut Umfragen nicht schaffen, den Sturzflug der Sozialisten aufzuhalten.
„Ich weiß, es gibt viele Menschen in unserem Land, denen es schlecht geht“, bekennt Zapatero inzwischen betroffen. Wegen der Massenarbeitslosigkeit von mehr als 22 Prozent, dem Wegfall sozialer Leistungen, Steuererhöhungen und Lohnkürzungen pfeifen immer mehr Spanier aus dem letzten Loch. Seit vor vier Jahren der Immobilienmarkt, Motor des früheren Wirtschaftswunders, zusammenbrach, ging es abwärts: Staat, Regionen und Rathäuser sind jetzt überschuldet, die Wirtschaft stagniert, es gibt kein Geld mehr für Investitionen.
Die Krise ignoriert, bis es zu spät war
„Schwere Zeiten“, bedauert Zapatero. Die Einsicht kommt spät. Jahrelang tat er so, als ob es in Spanien keine Finanz- und Wirtschaftskrise gebe. Er verpulverte Milliarden und sprach von Aufschwung, als schon allerorten die Warnlampen angingen. „Ich bin Optimist“, verteidigte er seine Schönwetterreden und sagte: „Mit Pessimismus schafft man keine Arbeitsplätze.“ Erst als die Europäische Union 2010 ein Machtwort sprach und Spanien als Euro-Risikokandidaten einordnete, schwenkte Zapatero um. Er beschloss Sparpakete, um die wachsenden Schuldenberge zu stoppen.
Einst ein linker Hoffnungsträger
„Der Zauber Zapateros ist dahin“, bilanzierte Spaniens große linksliberale Zeitung El Pais. Dabei war der Sozialist 2004 mit gerade einmal 43 Jahren als linker Hoffnungsträger („Ich bin ein Roter und ich bin Feminist“) an die Macht gekommen. Zunächst setzte er Reformen durch: Homo-Ehe, Express-Scheidung, Frauen-Gleichstellung, Liberalisierung der Abtreibung. „Nur die Wirtschaft“, kommentiert ein europäischer Diplomat, „hat er vergessen.“
Jetzt hat Zapatero, der früher wegen seines netten Gesichtes auch Bambi gerufen wurde, tiefe Schatten um die Augen, ist grau im Gesicht, die Lippen zusammengepresst. Wenn der einst so beliebte Sozialist in der Öffentlichkeit auftaucht, wird er heute mit Buh-Rufen begrüßt.