Bürger werden befragt: Bundestag beschließt Organspende-Reform
Bürger werden befragt
Bundestag beschließt Organspende-Reform
Der Bundestag hat eine Reform der Organspende beschlossen. Künftig werden alle Krankenversicherten ab 16 Jahren aufgefordert, eine Erklärung zur Organspende nach dem Tod abzugeben.
30.10.19 - aktualisiert:
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Der Bundestag hat eine Reform der Organspende beschlossen. Derzeit warten rund 12.000 Menschen auf ein Organ. Dennoch hat nur eine Minderheit der Bundesbürger einen Organspendeausweis ausgefüllt. Künftig soll die Entscheidungslösung gelten: Alle Bürger sollen von ihren Krankenkassen schriftlich gefragt werden, ob sie nach dem Hirntod zur Spende bereit sind. Foto: dpa
Wiederholung: Kurvendiagramm und Karte zur Zahl der Organspender 2011; Hochformat 90 x 100 mm; Redaktion: K. Pepping; Grafik: A. SchäferFoto: dpa-infografik GmbH
Nach jahrelangen Debatten hat der Bundestag eine Neuregelung zur Organspende auf den Weg gebracht. Mit breiter Mehrheit verabschiedete das Parlament am Freitag einen fraktionsübergreifenden Gesetzentwurf zur Einführung der sogenannten Entscheidungslösung.
Jeder Bürger über 16 Jahre wird künftig von seiner Krankenkasse per Brief regelmäßig Informationen zum Thema Organspende erhalten. Zudem wird jeder aufgefordert, zu erklären, ob er nach seinem Tod Organe spenden will. Die Entscheidung bleibt aber nach wie vor freiwillig.
Organspenden besser koordinieren
Verabschiedet wurde zudem mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und FDP ein Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Änderung des Transplantationsgesetzes. Damit werden die etwa 1350 Kliniken mit Intensivstationen verpflichtet, einen Transplantationsbeauftragten zu berufen. Dieser soll die Organspenden besser koordinieren und Angehörige potenzieller Spender beraten.
Zuvor hatten die Abgeordneten im Bundestag nochmals rund anderthalb Stunden in sehr sachlicher Atmosphäre über den Gesetzentwurf debattiert. Redner aller Fraktionen machten dabei deutlich, wie wichtig es ist, die Menschen regelmäßig mit dem Thema Organspende zu konfrontieren. Dadurch solle erreicht werden, dass sich die Bürger stärker als bisher mit dem Thema Organspende auseinandersetzen und die Zahl der dringend nötigen Organspenden steigt. Zugleich wurde deutlich gemacht, dass keinerlei Zwang ausgeübt werde.
Organspende: Grüne fordern Transparenz und Kontrolle
Zahlen und Fakten zur Organspende
Im Jahr 2011 sind statistisch betrachtet in Deutschland auf eine Million Einwohner 14,7 Organspender gekommen. 2010 waren es noch 15,9.
Der Rückgang in Bayern ist von 15,3 (Jahr 2010) auf 15,0 (2011) nicht ganz so stark. In absoluten Werten bedeutet das für den Freistaat: Die Zahl der Organspender ist von 192 auf 189 im Jahr 2011 gesunken.
In ganz Deutschland wurde ein Rückgang von 1296 auf 1200 verzeichnet.
Gespendete Organe 3917 im Jahr 2011 statt 4205 (2010) – auf Deutschland bezogen. In Bayern ist die Zahl der gespendeten Organe trotz weniger Spender mit 628 konstant geblieben.
Im Freistaat wurden im vergangenen Jahr 630 Transplantationen durchgeführt. 2010 sind es noch 651 gewesen.
Von den 213 bayerischen Krankenhäusern sind sechs Universitätskliniken, 19 Häuser mit und 188 Krankenhäuser ohne Neurochirurgie.
Grüne und Linke machten allerdings auch ihre Vorbehalte gegen Details des geänderten Transplantationsgesetzes deutlich. Sie forderten unter anderem mehr Transparenz und Kontrolle bei der Organisation der Organspenden, die in Deutschland von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) koordiniert wird.
Zudem lehnten sie es aus Datenschutzgründen ab, die Organspendebereitschaft künftig auch auf der elektronischen Gesundheitskarte zu dokumentieren. Dies soll in einigen Jahren möglich sein, allerdings nur mit Zustimmung der Versicherten. Vertreter von Grünen und Linken erklärten, die Kassen dürften keinen Zugriff auf die Daten haben. afp